Spiegel-Interviewer: „Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung…“ Adorno: „Mir nicht!“

Uns erscheint die Welt auch nicht in Ordnung. Nicht dort, wo Bomben fallen und Hunger herrscht, nicht dort, wo Flüchtende ausgesperrt oder abgeschoben werden, aber auch nicht dort, wo immer mehr alte Leute die Mülleimer an Bahnhöfen nach Pfandflaschen durchwühlen. Und was sagen die Unis zu dieser Welt? Die privilegierten Orte der Wissensproduktion sind längst zu unternehmerischen Hochschulen geworden, die weder Kapazitäten noch den Willen besitzen, Wissen für eine Veränderung der herrschenden Zustände zu entwickeln. Vielmehr halten Konkurrenz, Wettbewerbslogik, Prekarität und Erschöpfung die dort Arbeitenden davon ab. Es geht dort primär um die Einwerbung von Drittmitteln und Artikel in hochrangigen Zeitschriften, nicht um kritisches Hinterfragen des Bestehenden.

Die Universität Kassel mit ihrer Reformtradition („Es soll keine Knechte geben an der Uni Kassel!“) passt nicht ganz in dieses Bild. Hier finden sich ungewöhnlich viele Wissenschaftler*innen, denen Bildung wichtiger ist als Karriere, Exzellenz und Eliteunis. Sie ist daher ein passender Ort für ein Zusammentreffen von kritischen Lehrenden, Forschenden und Studierenden. Daher laden wir zur herrschaftskritischen Sommeruniversität in Kassel ein.

Die Einladung gilt all jenen Menschen, die sich kritische Wissenschaft und Lehre wünschen, die in Kassel studieren oder zukünftig studieren wollen, die in der Region arbeiten und ein Bedürfnis nach Reflexion verspüren, die als politische Aktivist*innen außerhalb der Hochschulen an einer besseren Welt arbeiten und darüber hinaus vor allem jenen, die an ihrer eigenen Uni kritische Gesellschaftstheorie vermissen.

Es gibt:
– Crashkurse und Workshops: Kapitalismus, Sexismus, Rassismus und was Adorno und ihre Kumpels dazu sagen…
– Tandemteaching von jeweils zwei Lehrenden
– politische Filme im Seminarraumkino
– abends: Cocktails in der Unakkreditier-Bar

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