herr*krit 2021 – Zukunft ist nicht genug

Liebe Freund*innen und Unterstützer*innen der herr*krit,

auch das Jahr 2021 startet mit einigen Unsicherheiten. Doch sicher ist, dass es im Sommer 2021 wieder eine herr*krit geben wird. Was jedoch zunächst unsicher bleiben muss, ist die genaue Ausgestaltung. Derzeit ist nicht absehbar, ob und unter welchen Bedingungen eine herr*krit im Sommer in Präsenz stattfinden kann. Daher planen wir weiter in alle Richtungen und halten euch darüber auf dem Laufenden, ob die herr*krit in (Teil-)Präsenz/hybrid stattfinden kann oder in Gänze in digitale Räume umziehen muss.

Angesichts von Klimakrise und globaler Pandemie, stellt sich in großer Dringlichkeit die Frage, welche Alternativen für eine andere Gesellschaft es gibt. Welche Wege führen dorthin? Welche Allianzen sind notwendig? Wie können wir Utopiefähigkeit bewahren, statt nur den Status Quo gegen zerstörerische Politiken zu verteidigen? Ist die Bewältigung der Krise überhaupt möglich, ohne die Systemfrage zu berühren? Und erschöpft sich Herrschaftskritik bloß in der Forderung zum Handeln?

Egal wo wir hinschauen: Die Corona-Pandemie macht die Brüchigkeit vermeintlicher Selbstverständlichkeiten deutlich und vertieft die systematischen Ungleichheiten gegenwärtiger Gesellschaften. Trotz inzwischen über 1 Millionen Toten weltweit, werden Menschen weiter zur Arbeit gezwungen, während Reproduktionsarbeit wieder wie selbstverständlich zum überwiegenden Teil von Frauen* geleistet wird.
Denn die auf fossilen Energieträgern beruhende kapitalistische Wachstumsdynamik wird von der der Notwendigkeit der Kapitalakkumulation angetrieben. Gerät sie ins Stocken, folgen große gesellschaftliche Krisen und Verwerfungen. Im Schatten der Pandemiebekämpfung untergraben autoritär-populistische Regierungen beschleunigt demokratische Grundfeste und Verschwörungserzählungen um die Pandemie verbreiten sich insbesondere in bürgerliche Kreisen wie ein Lauffeuer.
Zur globalen Rechtsentwicklung, einer unmenschlichen Abschottungspolitik und der weiter schwelenden Klimakrise gesellen sich die kapitalistische Dauerkrise, militärische Auseinandersetzungen, Rassismus, Antisemitismus, Antifeminismus, LGBTQI*- Feindlichkeit und die Infragestellung von wissenschaftlichen Tatsachen wie dem Klimawandel.

Schwer, hierüber die Orientierung zu behalten, von der Macht anderer und der eigenen Ohnmacht nicht gelähmt zu werden oder in Relativierungen zu verfallen. Alternativen sind sichtbar in solidarischen, nicht-kapitalistischen Wirtschaftsweisen, radikaldemokratischen Praktiken der Selbstorganisierung und politischen Kämpfen um Arbeitsrechte und Gleichstellung für globale Klimagerechtigkeit und eine solidarische Lebensweise. Die Reduktion der Treibhausgasemissionen macht eine Reduktion der Arbeitszeit notwendig. Eine solche gesellschaftliche Veränderung ist möglich und notwendig, es sind Herrschaftsverhältnisse, die sie blockieren. Herrschaftskritik hat daher hier ihre zentrale Aufgabe. Die Protestbewegungen rund um die Welt wenden sich gegen die bestehenden Verhältnisse und streiten für Alternativen.

Herr*Krit widmet sich Perspektiven, emanzipatorischen Antworten auf und Wege aus der Krise hin zu einer anderen Gesellschaft.