Herr*Krit 2016

Bereits 2016 kamen rund 300 Menschen nach Kassel. Hier ein kleines Dossier mit dem alten Programm und einer Bildrückschau auf die Herr*Krit 2016.

Crashkurse Herr*Krit 2016

Name Titel und Beschreibung
Simone Claar

Alexander Gallas
Antagonism and Domination: An Introduction to Class Theory and Class Analysis

Debates on social and economic inequality abound in recent years, but there is limited reflection on how inequality is linked systematically to social conflict and social domination. In light of this, we believe it is worth revisiting materialist conceptions of class and class struggle. We will start from Nicos Poulantzas’s work, who sees class not just as an economic, but also as a political and ideological issue. After assessing the strengths and weaknesses of this approach, we will branch out into a more general discusssion on how to address the various criticism of class theory and class analysis that have been voiced, in particular, by mainstream economics and poststructuralist social theory. (4 stündig Mo. & Di.)

Christa Wichterich Nicht nur Silvester, Köln: Sexismus, Rassismus und Gewalt

In den aktuellen Diskursen zur Flüchtlingssituation hat die Figur des sexuell unkontrollierten, schwarzen Mannes als Bedrohung für die weiße Frau eine zentrale Bedeutung gewonnen. Das Dickicht von neokonservativen, xeno- und islamophobischen und anti-feministischen Argumenten muss entzerrt und in seiner herrschaftssichernden Funktion offengelegt werden. (2 stündig Mo.)

Norma Tiedemann / n.n. Urban Revolutions? Cities and Urban Protest in Times of Neoliberal Capitalism

Urban space as a specific arena for social struggles became again visible in the course of the Arab Spring and later the global financial and economic crises where squares and public places were hit by protests in many cities all over the world. Conflicts over affordable housing, displacement, forced evictions and democratic participation are often negotiated within the urban context. We thus want to ask how urbanisation and capitalism are actually connected, how gentrification can be explained, what characterises neoliberal city development and which emancipatory perspectives (e.g. a Right to the City) have been emerging to oppose these developments. (2 stündig Di.)

Kwesi Aikins

Floris BiskampAram Ziai
Willkommen in Zhengistan, Äthiopier_innen! Eine Einführung in die postkolonialen Studien

Postkoloniale Studien befassen sich mit den Auswirkungen des Kolonialismus auf gegenwärtige Denk-und Handlungsmuster. Im Kurs werden beispielhaft solche Muster aufgezeigt und postkoloniale Theorien, Konzepte und Fragen vorgestellt. Außerdem machen wir einen kleinen Ausflug nach Zhengistan. (2 x 2 stündig Mo. & Di. oder 1 x 4 stündig Mo.)
Jenny Simon Marx Kritik der politischen Ökonomie – eine Einführung

Wer den Kapitalismus verstehen will, kommt um Karl Marx´ Kritik der politischen Ökonomie nicht herum. Der Crashkurs bietet einen Einstieg in die Marxsche Analyse kapitalistischer Gesellschaften, ihre zentralen Konzepte und Einsichten. Um deren analytischen Gehalt und Aktualität nachzugehen, diskutieren wir Marx Perspektive mit engem Bezug auf heutige Entwicklungen – von der Zunahme sozialer Ungleichheit oder Privatisierungsprozessen bis hin zur jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise. Zudem werden Anregungen zu einer weiteren Beschäftigung mit Marx gegeben und ein Blick auf die aktuelle marxistisch fundierte Theorieentwicklung geworfen. (4 stündig Mo. & Di.)

Anne Engelhardt
Junias Omollo
Portugal: Musterschüler oder Rebell?

Als Teil der verunglimpften ‚PIIGS-Staaten‘ geriet Portugal zu Beginn der Euro-Krise 2010 in den Strudel von Schulden und Kürzungsauflagen seitens der Troika. Wenige Jahre später konnte es – im Gegensatz zu Griechenland – dem ‚Rettungsschirm‘ von EZB, IWF und EU wieder entschlüpfen. Als Müsterschüler gepriesen, ist das Land mitnichten dort, wo es vor der Krise stand. Die Kürzungsauflagen, Flexibilierung und Prekasisierung wirken sich vor allem auf lohnabhängige junge Menschen aus. Von den fünf Generalstreiks, den Massendemonstrationen und Flashmobs – wie den Gesangseinlagen Duzender Aktivist*innen während der Haushaltsdebatten – hörte man hierzulande wenig. Waren die Bewegungen gegen die Kürzungen erfolgreich? Wie sahen sie aus? Und was passiert unter der aktuellen Mitte-Links-Regierung, die gerade als Vorbild für Spanien dienen soll? Diese Fragen sollen in diesem Crashkurs behandelt und mit Videos und einem kurzen Input vertieft werden. (4 stündig Mo. & Di.)

Michael Fütterer

Markus Rhein

Rethinking Unions – Die Suche nach einer anderen Gewerkschaftsbewegung?

Von einer Krise der Gewerkschaftsbewegung zu sprechen, ist nichts Neues. Eine Vielzahl von Debatten dreht sich um die Ursachen der Krise sowie die Potenziale für die Erneuerung der Gewerkschaften. Meistens wird dabei der Machtverlust der Gewerkschaften in den Blick genommen und Möglichkeiten, ihm zu begegnen. So wichtig dies ist, gelingt es dabei doch selten die Veränderungen im globalen Kapitalismus ausreichend zu berücksichtigen und den Machtverlust zu kontextualisieren. In dem vierstündigen Crashkurs wollen wir untersuchen, welchen Herausforderungen Gewerkschaften heute gegenüberstehen, wie sie bislang darauf reagiert haben und welche Strategien derzeit erprobt werden, um die Gewerkschaftsbewegung zu erneuern. Wir wollen über Möglichkeiten von grenzübergreifenden Strategien sprechen und diskutieren, was eine veränderte Gewerkschaftsbewegung heute bedeuten kann. (2 stündig Di.)

Rethinking Unions – Towards a new trade union movement?

It is nothing new to speak of a crisis within the trade union movement. Multiple debates turn on the root causes of this crisis as well as on the potentials for a revitalization of trade unions. Most of the times the focus lies on the loss of power and the possibilities to deal with it. As important as this is, those debates often fail to consider the context of this loss of power in a changing global capitalism adequately. In this workshop, we want to scrutinize which are the challenges for a trade union movement today. We want to examine how they responded to those and what the current strategies for a trade union renewal are. We want to talk about possibilities of cross-border-strategies and discuss what a new trade union movement could mean today. (2 stündig Mo.)

Friederike Habermann Herrschaftsverhältnisse zusammendenken und –bekämpfen

Die Zuspitzung der ökonomischen Ungleichheit geht teilweise einher mit erneuter Hinwendung zum Hauptwiderspruch durch linke Akademiker(innen). Eine Möglichkeit, Herrschaftsverhältnisse zusammen zu denken, ohne sie auf Ökonomie zu reduzieren, stellt die Subjektfundierte Hegemonietheorie dar, eine Kombination postmarxistischer, postfeministischer und postkolonialer Grundlinien. Daraus ergeben sich Überlegungen, welchen notwendigen Bedingungen eine emanzipatorische Gesellschaft zu genügen hätte. (4 stündig Mo. & Di.)

Andreas Eis Bildung – MACHT – Subjekte: herrschaftskritische Ansätze Politischer Bildung

Politische Bildung ist untrennbar mit der Zielperspektive individueller und kollektiver Emanzipation verbunden. Somit steht die Frage nach den Möglichkeiten und Hindernissen einer solidarischen Selbstbefreiung von Fremdbestimmung, Unterdrückung und vielfachen Formen der Ausgrenzung, Diskriminierung und Prekarisierung im Mittelpunkt einer an der Ermächtigung des demokratischen Selbst orientierten Politischen Bildung. Im Crashkurs werden ausgewählte „klassische“ und aktuelle Ansätze Politischer Bildung vorgestellt, deren Ausgangspunkt die Kritik von Macht- und Herrschaftsverhältnissen in Schule, Universität u. a. Bildungsinstitution darstellt. Dabei wird gezeigt, inwiefern liberale Demokratie- und Bildungsmodelle das mündige, autonome Subjekt bereits voraussetzen, während soziale und hegemoniekritische Demokratiekonzepte zunächst nach den Voraussetzungen für gesellschaftliche Lernprozesse sowie für gelungene oder verhinderte Teilhabe und kollektive Selbstregierung fragen. (2 stündig Di.)

Ismail Doga Karatepe

Christian Möllmann

Methods of critical theory: Marx and Foucault 

Robert W. Cox once described ‚critical theory‘ as the one which „stands apart from the prevailing order of the world and asks how that order came about. Critical theory […] does not take institutions and social and power relations for granted but calls them into question by concerning itself with their origins and how and whether they might be in the process of changing.“ But how is it possible to grasp such origins and processes of change in a systematic, respectively scientific way? This course explores into this problematic by introducing the dialectical and genealogical methods as of  Marx and Foucault. Some time will also be reserved for discussing the (possible) significance for the work/research of course participants. Although held in English, course participants can also make contributions in German. (4 stündig Mo. & Di.)

Aishah Namukasa A critical analysis of the lived human rights experiences of migrants and refugees

In this course, we will critically examine both labour and forced migration, human rights experiences of migrants regardless of the distinction between refugees and labour migrants. We will examine the gender, class and age among other categories of both migrants and refugees that contribute to their human rights experiences. Lastly we will examine forced migration and lived experiences of the receiving, transit societies and refugees and what possible solutions are available. (4 stündig Mo. & Di.)

Joscha Wullweber Finanz- und Eurokrise

Der Crash-Kurs gibt einen Einblick in verschiedene Erklärungsmuster für Finanzkrisen und insbesondere die globale Finanzkrise von 2007-2009 und die seitdem andauernde Eurokrise. Nach einer kurzen Einführung in bestehende Analysen und die ihnen uugrunde liegenden Theorien (mit Fokus auf neoliberale, keynesianische, marxistische und poststrukturalistische Theorien) könnten folgende Fragen diskutiert werden: Wie entstehen Finanzkrisen? Kann es Kapitalismus ohne Finanzsystem (und ohne Finanzkrisen) geben? Was hat sich nach der globalen Finanzkrise von 2007 verändert? (2 stündig Di.)

Stefan Laser

Fabian Pittroff
Kritik der Kritik

Kritik ist ein Hindernis. Nicht selten führt sie zu voreiligen Schlüssen, bestätigt bereits feststehende Urteile oder stärkt sogar das Kritisierte. So nutze die Kapitalismuskritik der 68er nicht zuletzt der Erneuerung des Kapitalismus. Deshalb erkundet dieser Workshop Alternativen und experimentiert mit einer neuen Version von Kritik, wie sie vor allem in der französischen Soziologie entwickelt wurde. (4 stündig Mo. & Di.)

Michaela Schulze. Familienpolitik im kritischen Diskurs

Häufig wird die deutsche Familienpolitik dafür kritisiert, dass sie im Vergleich zu anderen Ländern eher wenige und wenig umfassende Leistungen anbietet. Andererseits wurden in den letzten Jahren zahlreiche Reformen verabschiedet, die darauf hindeuten, dass die Leistungen der Familienpolitik weiter ausgebaut werden (bspw. Kinderbetreuung). In diesem Crashkurs wollen wir gemeinsam die verschiedenen Leistungen der Familienpolitik betrachten und diese gemeinsam kritisch dahingehend zu diskutieren, wie zukunftsträchtig bzw. reformbedürftig diese Leistungen sind. (2 stündig Di.)

Jens Wissel
Fabian Georgi
Kritische Europaforschung

In der Krise der Europäischen Union wird besonders deutlich, dass die Europaforschung von affirmativen Ansätzen dominiert ist. Zu den mit der Krise verbundenen massiven Prozessen der Entdemokratisierung hat der Mainstream wenig zu sagen, grundsätzliche Fragen nach politischer Herrschaft werden nicht gestellt. In dem Workshop soll in andere Perspektiven auf die Europäische Union eingeführt werden: Neogramscianische, neopoulanztianische und auch feministische Ansätze gehen von einer in sich widersprüchlichen kapitalistischen Gesellschaftsformation aus und fragen danach, welche gesellschaftlichen Kräfte und welche Interessen im Integrationsprozess hegemonial oder dominant sind. (2 stündig Mo.)

Hannah Hecker

Moritz Elliesen
Politische und menschliche Emanzipation bei Marx

In der im Jahr 1843 erschienen Streitschrift Zur Judenfrage reflektiert Marx die Trennung zwischen dem politischen Staat und der bürgerlichen Gesellschaft, die für die Moderne konstitutiv ist. Marx geht es nicht darum, einzelne Missstände der parlamentarischen Demokratie zu benennen, sondern um eine radikale Kritik dieser Trennung, die für Marx insgesamt eine problematische Form intersubjektiver Verhältnisse institutionalisiert. Der Text wird selten explizit rezipiert, obwohl er zentrale Argumentationsfiguren enthält, deren Nachvollzug auch in Bezug auf die gegenwärtigen Krisendiagnosen der parlamentarischen Demokratie Anknüpfungspunkte liefern können. Im Crashkurs sollen zentrale Textpassagen gemeinsam gelesen und diskutiert werden. (2 stündig Mo.)

Werner Ruf Die – kurze – Geschichte der Kritischen Friedensforschung in der BRD

Mit den politischen Umbrüchen Ende der 60er Jahre begann, angeregt durch den damaligen Bundespräsidenten Heinemann, eine institutionalisierte Förderung der sich konstituierenden Friedensforschung. Ihr gesellschaftskritischer Impetus ging in den letzten Jahren weitgehend verloren. Dies ist u. A. zurückzuführen auf das Ende der Bipolarität und die zunehmende Abhängigkeit wissenschaftlicher Forschung von Drittmitteln. (2 stündig Mo.)

Alex Hiller

Dirk Martin
Gouvernementalität und Staat

Der von Foucault in einer Vorlesung zum Verhältnis von Sicherheit, Territorium und Bevölkerung entwickelte Begriff der Gouvernementalität ist Gegenstand des Crashkurses. Für Foucault ist Gouvernementalität eine Regierungsweise, die den modernen Staat dominiert. Es sollen deshalb die grundlegenden Bestimmungsmerkmalen des Konzepts der Gouvernementalität thematisiert und auch danach gefragt werden, welchen Beitrag der Begriff zu einer materialistischen Staatstheorie zu leisten vermag. (2 stündig Di.)

Julian Müller Introductory Course Corporate Research

How can we use publicly available information about corporations to examine their activities critically and provide material for campaigning and public debate? This is a problem that regularly arises in investigative journalism, NGO work and political campaigning. This introductory course provides an overview of existing and easily available sources of information and techniques for analysing them. The focus will be on what is probably the most valuable source: companies‘ annual reports and how to examine them. The course will also touch upon concrete issues and campaigns in which this kind of investigation plays an important role, especially financialisation and tax. (4 stündig Mo. & Di.)

Franziska Dübgen

Liza Mattutat
Strafrechtskritik als Herrschaftskritik

Dem eigenen Anspruch nach soll das Recht aller willkürlichen Herrschaft von Menschen über Menschen ein Ende setzen, indem es allgemeine Gesetze und neutrale Verfahren bereitstellt. Im Crashkurs „Strafrechtskritik als Herrschaftskritik“ wollen wir zeigen, wie sich dennoch immer wieder partikulare Interessen im Recht durchsetzen. Dazu nehmen wir die selektiven Mechanismen des Strafrechts in den Blick und zeigen, wie sie sozial ungerechte Strukturen reproduzieren. Nach einer Einführung in herrschaftskritische Rechtstheorien im ersten Teil des Workshops wenden wir uns im zweiten Teil konkreten Fällen zu, an denen wir ebendiese Mechanismen gemeinsam untersuchen werden. (4 stündig Mo. & Di.)

Gianna Dalfuß

Natalia Frantz
Meet and Greet mit Antonio Gramsci

Den Teilnehmer*innen des Crashkurses zu Antonio Gramsci bietet sich die Möglichkeit einen Klassiker der politischen Theorie „persönlich“ kennenzulernen. Der Crashkurs stellt die wesentlichen Gedanken und Konzepte Gramscis dar und bietet somit eine gute Grundlage für weitere Forschungsvorhaben und Seminare. Ganz im Sinne des Meet an Greet Konzeptes bietet die zweistündige Begegnung mit Antonio Gramsci auch Erkenntnisse zu der Person selbst und die Möglichkeit zum Diskurs. Dieser Crashkurs wird von Studierenden gestaltet, wir freuen uns auf interessante Gespräche mit euch und Ihnen. (4 stündig Mo. & Di.)

 

Workshops in Stream A Herr*Krit 2016

Lehrende/Tutors Titel/Title Kurzbeschreibung/Short Description
Joaquin Bernaldez
Alexander Gallas
Critical Realism: An Alternative to Positivism and Interpretivism Critical realism is a philosophy of the social sciences that stems from the UK and has been shaped by authors such as Margaret Archer, Roy Bhaskar and Andrew Sayer. It criticises positivism and interpretivism by emphasising that social reality cannot neither be reduced to a collection of laws connecting dependent and independent variables nor to human experience or discourses. Correspondingly, it develops a theory of social reality divided into layers and insists that the social world is characterised by the existence of deep structures such as the capitalist relations of production, which impact on social actors without determining fully what they do. As a result, critical realism allows for conceptualising the systemic dimension of relations of domination without adopting the functionalist or deterministic lines of argument to be found in other macro theories of the social world.
Sonja Buckel
Max Pichl
Materialistische Rechtstheorie Das Recht sei vielleicht ein „noch vertrackteres Ding als die Ware“ hat die Rechtstheoretikerin Ingeborg Maus einmal festgestellt. Wie kann es etwa einen Aufschub der Macht bedeuten und zugleich mit dem staatlichen Gewaltmonopol durchgesetzt werden? Wie kann es sich gegenüber seinen Autor*innen verselbständigen und dennoch ein begrenztes Emanzipationspotential aufweisen? Marx selbst hat keine systematische Rechtstheorie hinterlassen, aber viele Anknüpfungspunkte für eine solche. Seit Beginn des letzten Jahrhunderts haben verschiedene kritische Wissenschaftler*innen diese Fäden aufgenommen und Vorschläge verfasst, wie das Recht in der materialistischen Tradition zu begreifen ist. Der Workshop soll einen Überblick über diese verschiedenen Entwürfe ermöglichen. Die Teilnehmenden sollten über Grundkenntnisse der marxschen Theorie verfügen, müssen aber weder Marx-Expert*innen noch Jurist*innen sein.
Andreas Eis
Juliane Hammermeister
Frederik Metje
Vom Kritiklernen zur kollektiven Handlungsfähigkeit? Wege in eine kritische politische Bildungspraxis Gesellschaftliche Krisen und Umbrüche fordern kollektive Lernprozesse heraus. Eine Antwort auf die gegenwärtige Krise der Demokratie stellen neue Protest- und soziale Bewegungen dar, deren transformativer Handlungsspielraum jedoch sehr begrenzt bleibt. Im Mittelpunkt des Workshops steht die Fragestellung, inwieweit (neue) Formen der Partizipation tatsächlich zu mehr Demokratie und zu ‚demokratischen Transformationen‘ führen oder ob die zahlreichen Beteiligungs- und Engagementaktivitäten nicht vielmehr auch als Technologien neoliberaler Selbststeuerung wirksam werden können. Politische Bildung spielt hierbei eine zentrale Rolle – sowohl in ihrer institutionalisierten Form (des Unterrichts, der Schulentwicklung, der Lehrerbildung) als auch in der außerschulischen, non-formalen Bildung (u.a. durch Stiftungen und Verbände) und in informellen (kollektiven) Lernprozessen z. B. in sozialen Bewegungen. Der Workshop knüpft inhaltlich an den Crashkurs ‚Bildung – MACHT – Subjekte‘ an.
Daniel Bendix
Josephine Brämer
Post-Development und Degrowth: Eine Einführung in Wachstums- und Entwicklungskritik in Nord und Süd Post-Development-Ansätzen geht es um die radikale Infragestellung der vorherrschenden Ideen von ‚Entwicklung‘ und von Entwicklungspolitik im Globalen Süden. Sie kritisieren diese u.a. mit dem Verweis auf die zerstörerische Wirkung von Entwicklungshilfeprojekten und Modernisierung, die Reproduktion kolonialen Denkens, die Reduktion eines guten Lebens auf sozioökonomische Indikatoren sowie der Ausklammerung des problematischen Gesellschaftsmodells des Nordens. Der Kritik und Transformation der westlichen kapitalistischen Gesellschaftsform im Norden hat sich wiederum die seit einigen Jahren erstarkende Degrowth-Bewegung verschrieben (in Deutschland auch unter dem Stichwort ‘Postwachstum’ bekannt). In diesem Workshop wird in diese beiden Denk- und Handlungsperspektiven eingeführt. Außerdem erarbeiten wir die Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Potentiale der beiden Ansätze. Darüber hinaus geht es uns um die Frage, welche Rolle die von Post-Development und Degrowth aufgeworfenen Themen in unserem Alltag und in Bezug auf unsere politischen Handlungsmöglichkeiten spielen.
Ralf Damitz
Philip Fehling
130 Jahre Haymarket-Tragödie: Theorie und Praxis nordhessischer Sozialrevolutionäre Niemand wusste, wer die Bombe geworfen hatte, die am 4. Mai 1886 auf dem Haymarket in Chicago bei einer Kundgebung von aufgebrachten Arbeiterinnen und Arbeitern explodierte und zahlreiche von ihnen sowie einige Polizisten in den Tod riss. Dennoch antworteten die Herrschenden von Chicago mit einem Lehrstück von Klassenjustiz und nutzten das Ereignis, um sich der stadtbekannten Wortführer des sozialrevolutionären Flügels der Arbeiterbewegung durch Hinrichtung und Gefängnisstrafen zu entledigen.Den Geschehnissen auf dem Haymarket ging die landesweite und bis dahin umfangreichste Mobilisierung von Arbeiterinnen und Arbeitern in der amerikanischen Geschichte voraus – die ‚Achtstundentagbewegung‘. Mittendrin im Streikzentrum von Chicago befanden sich zwei nordhessische Emigranten: August Spies und Georg Engel. Im Workshop wollen wir den Ideen und der gesellschaftlichen Praxis des sozialrevolutionären Flügels der Arbeiterbewegung von Chicago nachspüren. Als Zugang dienen uns dabei (auch) die Biografien der nordhessischen Protagonisten.
Tamila Tagieva What is Wrong With Development Aid? Throughout many decades international organizations have been working to eradicate poverty in the world. Billions of US dollars flow from rich to poor countries, thousands of people get employed to develop the third world, but the long-waited wonder does not happen. There is no take-off. The question then arises whether development aid is really effective. Why do we spend so much money on development and get no final result? What is actually development? When a rich man gives money to the poor, his domination over the poor seems to be inevitable. The same is true for development aid characterized by the domination of donor countries over the recipient and hence by inequality. Donor countries often dominate in the decision-making process in international organizations. The proposed workshop will explore the problem of domination in-depth with regard to a number of global as well as regional organizations. We will particularly look at “techniques” of domination which developed countries utilize when allocating aid money and thereby promoting their self-interest.
Silke Hakenesch
Anke Ortlepp
Black Lives Matter? Amerikanischer Alltagsrassismus im 21. Jahrhundert Obwohl die USA seit fast acht Jahren von Barack Obama, dem ersten afroamerikanischen Präsidenten, regiert werden, hat sich an der Situation viele Afroamerikaner wenig verändert. Armut, strukturelle Benachteilung im Bildungssektor und auf dem Arbeitsmarkt prägen den Alltag viele Schwarzer ebenso wie die Erfahrung physischer Gewalt mit Todesfolge. Wie ist diese Situation mit der Debatte um Post-Rassismus vereinbar? Dieser Workshop betrachtet die Ursachen und Erscheinungsformen von amerikanischem Alltagsrassismus. Er befasst sich auch mit den Aktitvitäten von Bürgerrechtsbewegungen wie Black Lives Matter.
Floris Biskamp
Jakob Baier
Illuminati, Rothschilds, Zionisten: Über das vertrackte Verhältnis von Antisemitismus, Herrschaft und Kritik am Beispiel von Deutschrap Das Verhältnis von Herrschaftskritik und Antisemitismus wird dadurch kompliziert, dass Antisemitismus selbst als Herrschaftskritik daherkommt – als ‘Kritik’ an einer verschworenen Gruppe von Strippenziehern hinter den Kulissen, die für alle Übel der Welt verantwortlich zu machen seien. Ein im besseren Sinne kritischer Blick zeigt freilich, dass diese ‘Kritik’ die für moderne Gesellschaften spezifische Form einer durch Staatsapparate und Kapital vermittelten und daher gerade nicht personalen Herrschaft eben nicht kritisiert, sondern projektiv verarbeitet. Der antisemitische Blick entdeckt konkrete Akteur_innen, deren Auslöschung die Harmonie der Welt wiederherstellen soll. Damit bleiben die herrschenden Verhältnisse unsichtbar und unangetastet, während Unschuldigen die Vernichtung angedroht wird. Im Workshop werden zentrale Ansätze der Antisemitismuskritik und wichtige Erscheinungsformen des Antisemitismus anhand von Tracks und Interviewäußerungen deutscher Rapper_innen diskutiert.
Patrick Eser Von der Politischen Ästhetik zum Ästhetisch-Imaginären des Politischen. Kritische Konzepte und jüngere/klassische Debatten in den Kulturwissenschaften Welche politische Funktion kommt kulturellen Repräsentationen und fiktionalen Imaginationen des Sozialen zu? Geht es darum, das Politische und die Kritik von Kunst und Kultur zu bestimmen, ist die Frage nach den Kriterien der Bewertung zu stellen. Kann Realismus ein adäquates Kriterium für die politische Bewertung von Kunst sein, wie einst Friedrich Engels in einer klassischen Formulierung forderte: „Realismus bedeutet (…) außer der Treue des Details die getreue Wiedergabe typischer Charaktere unter typischen Umständen“? Ein kritischer Umgang mit diesen Intuitionen soll am Beispiel der Fiktion und (Nicht-)Darstellung prekärer Welten im zeitgenössischen Film und Roman diskutiert werden und vor dem Hintergrund der Diskussion relevanter kulturwissenschaftlicher Konzeptionen wie des ‚Politischen Imaginären‘ und der ‚Ästhetisch des Politischen‘ sowie grundlegender Begriffe wie Imagination, Fiktion, Repräsentation und nicht zuletzt auch des Realismus geschehen.
Anna Steenblock Silvia Federici: Materialistischer Feminismus und Queer Theory? In dem Workshop wollen wir uns mit Grundlagen materialistisch-feministischer Theorie beschäftigen und der Frage, inwiefern Verbindungslinien zu queerfeministischer Theorie gezogen werden können. Ausgangspunkt sollen die Arbeiten von Silvia Federici sein. Das Kollektiv Kitchen Politics schreibt über Silvia Federici: »Federici gelingt es, Verbindungslinien zwischen verschiedenen Formen von Gesellschaftskritik zu ziehen, und realisiert damit etwas, das uns mehr denn je von Bedeutung scheint.« Sie sehen darin einen wichtigen Beitrag, um Antikapitalismus und queerfeministische Kritik zusammenzuführen. Ein Kristallisationspunkt dieser Diskussion ist die Frage nach der Materialität des Körpers.
Simon Rettenmaier
Verena Häseler
Universität M(m)acht (Aus)Bildung „Wissen lässt sich sicherlich nicht auf Herrschaftfunktionen reduzieren. Doch allein die jenigen, die über Ressourcen verfügen, können Wissen ausarbeiten, pflegen und tradieren. Und umgekehrt ist es gerade die Macht dieses Wissens, die Ihnen widerum hilft, ihr Privileg zu bewahren.“ (Alex Demirović)
Gemeinsam wollen wir einige Grundsätze und Positionen des „Prinzips Universität“ – welches in Anlehnung an den humanistischen Bildungsbegriff Humboldts und die ‚Unbedingte Universität‘ Derridas gedacht werden muss – betrachten und erabeiten, inwiefern oder ob sich das „Prinzip Universität“ in die zunehmend durch ökonomische Einflüsse geprägte Institution der Universität nach Bologna integrieren lässt. Wie wirken sich aktuelle bildungspolitische Reformbemühungen –beispielsweise die Exzellenzinitiative – auf Forschung und Lehre aus? Was erwarten Studenten von universitärer (Aus)Bildung? „Wir müssen also verstehen, dass die Universität gemäß ihres Prinzips der letzte Ort bleibt, an dem sich noch die Frage der Zwecke, der Bestimmung, der Emanzipation stellen und bearbeiten lässt.“ (Plínio Prado)

Workshops Stream B Herr*Krit 2016

Lehrende/Tutors Titel/Title Kurzbeschreibung/Short Description
Moritz Elliesen
Dirk Martin
Traditionelle und kritische Theorie Im Workshop wird es um die gemeinsame Diskusiion des 1937 von Max Horkheimer veröffentlichten Aufsatzes „Traditionelle und kritische Theorie“ gehen, der in der Zeitschrift für Sozialforschung des sich im Exil befindenden Frankfurter Instituts für Sozialforschung erschienen ist. Dieser Text wird zu Recht als zentraler Text der älteren Kritischen Theorie angesehen. Wir werden den Text detailliert besprechen und besonders die weitgehend impliziten Bezugnahmen auf die Theorie von Marx herauszuarbeiten versuchen. Der Workshop ist zugleich von der Überzeugung geleitet, dass dieser Text nicht nur von historischer Bedeutung ist, sondern auch für die aktuellen Debatten kritischer Theorien wichtige Überlegungen enthält.
Olli Emde

 

Spazierend’ schreiten wir voran!?‘ – Promenadologie und ihre emanzipatorischen Potentiale Konsumkritische Stadtrundgänge’, ‚Antifaschistische Spaziergänge‘ oder ‚Postkoloniale Stadtführungen‘ – Angebote des Flanierens scheinen in der politischen Bildungsarbeit en vogue zu sein. Diese Formate ‚politischer Bildung von unten‘, in der Regel angeboten von NGOs und Akteuren Neuer Sozialer Bewegungen, sind zwischen Bildung, Aufklärung, Kampagnenarbeit und Aktion zu verorten. Durch dieses Spannungsfeld stellen sie einen interessanten Untersuchungsgegenstand dar, an dem im Workshop theoretische Konzepte der kritischen politischen Bildung veranschaulicht werden. Außerdem werden durch konkrete Beispiele pädagogischer Praxis Zugänge und Gemeinsamkeiten der politischer Bildung zur kritischen Kulturvermittlung aufgezeigt und mit der Workshop-Gruppe die kritischen Potentiale unterschiedlicher Methoden weiterentwickelt.
Jorge Forero Politics and geopolitics in the Civil Wars of the XXI Century

WORKSHOP BEREITS VOLL. KEINE WEITERE BELEGUNG MÖGLICH.

The humanitarian crisis in Syria and the rest of the Middle East, made evident to most European citizens by an unprecedented refugee influx, is a dramatic example of the global consequences of civil and irregular wars. The category of “failed states”, used in security studies to provide an account of supposedly exceptional and marginal phenomena, now seems applicable to a wider range of situations, from Ukraine to Libya, from Nigeria to Mexico. A closer look at these conflicts highlights their relationship with the global economy and an unprecedented capacity to react to the social transformations of the last three decades, from the falling of the Soviet block to financial deregulation, the Internet and social networks. At the same time, long term historical dynamics, classic political discourses, national traditions and religious beliefs, are still an important component of their dynamics. Using materials from media, films and TV shows as a means of reflexion, this crash course seeks to provide analytical tools from critical theory for a deeper understanding of the political and economic dimensions of civil wars and irregular armed conflicts.

Jan Hoff Ökonomiekritik und Emanzipationstheorie bei Marx Marx ging es in seiner Kritik der politischen Ökonomie um die Darstellung des inneren Zusammenhangs der ökonomischen Verhältnisse und die Aufdeckung der Bewegungsgesetze der kapitalistischen Produktionsweise. Eine systematische Ausarbeitung der nachkapitalistischen Gesellschaft fehlt hingegen im Kapital. Dennoch lassen sich aus zahlreichen im Kapital (und in den zugrundeliegenden Manuskripten) verstreuten Äußerungen wichtige Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich Marx die sozialistische Gesellschaft vorgestellt hat. Letztlich ging es ihm nicht um „rohe Gleichmacherei“, sondern um die „volle und freie Entwicklung jedes Individuums“.
Jörg Nowak Zerschlagung des bürgerlichen Staates – und dann?
Althussers Kritik des sowjetischen Sozialismus
Auf diesem Workshop möchten wir die Staatskritik des marxistischen Philosophen Louis Althusser vorstellen. Dieser hatte Ende der 1970er Jahre konstatiert, dass im sowjetischen Modell Partei und Staat verschmolzen seien und auch in der Arbeiterbewegung der kapitalistischen Staaten eine Integration in den bürgerlichen Staat drohe. Dabei machte er deutlich, dass die Frage, wie mit dem Staat in revolutionärer Perspektive umzugehen sei, nicht erst nach der Revolution relevant wäre, sondern bereits im Jetzt und Heute widerständiger Politik. Wir rekapitulieren, was an Althussers Staatskritik auch heute noch wegweisend und welche Probleme damit benannt werden: wie kann dafür gesorgt werden, dass der sozialistische Staat nach einer antikapitalistischen Revolution sich nicht zum „Kapitalismus ohne Kapitalisten“ entwickelt? Althusser fordert, das nach der politischen und ökonomischen Revolution auch eine ideologische Massenrevolution folgen müsse, die die breite Beteiligung der Massen an der Politik ermöglicht.
Marlene Becker
David Lorenz
Keine Grenze, kein Problem?! Im vergangenen ‘Sommer der Migration’ überschlugen sich die Ereignisse sowohl an den EU Außengrenzen als auch im Innern der EU. Wir wollen gemeinsam versuchen, die Ereignisse zu rekonstruieren und wissenschaftlich, politisch sowie aktivistisch einzuordnen.
Jannis Eicker
Anil Shah
Wirtschaft – Macht – Bildung. Wie der neoliberale Alltagsverstand durch ökonomische Bildung an Schulen verankert wird WORKSHOP BEREITS VOLL. KEINE WEITERE BELEGUNG MÖGLICH.

Seit Jahren drängen Arbeitgeberverbände und wirtschaftsnahe Stiftungen immer bestimmter auf ein verpflichtendes Schulfach ‚Wirtschaft‘. Die Anstrengungen scheinen sich auszuzahlen: Nach dem aktuellen Bildungsplan der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg müssen alle Schüler*innen ab der 5. Klasse zum Schuljahr 2016/2017 das Schulfach ‚Wirtschaft‘ besuchen. Vor diesem Hintergrund nimmt sich der Workshop der Frage an, welches ökonomische Wissen hierbei im Alltagsverstand der Schüler*innen verankert werden soll. Am Beispiel von staatlich und privat konzipierten Unterrichtsmaterialien zur aktuellen Finanz- und Eurokrise erarbeiten wir gemeinsam mit den Teilnehmer*innen eine kritische Analyse der vermittelteten Konzepte und diskutieren diese im Kontext aktueller Krisenpolitik. Hierbei wollen wir vor allem diskutieren, welche politischen und ökonomischen Einstellungen und Meinungen gefördert bzw. außen vorgelassen werden.

Margit Rodrian Geschlecht – eine politische Kategorie Im Workshop sollen die Grundzüge materialistischer feministischer Theorie nachgezeichnet werden. Im Mittelpunkt steht der Genderbegriff als gesellschaftliche Strukturkategorie, als Moment symbolischer Ordnung und als Identitätskategorie. Damit gehen jeweils unterschiedliche Analyseebenen einher. Diese sollen in jeder Sitzung auf der Grundlage kurzer einführender Texte oder Statements veranschaulicht werden, um dann die theoretische Perspektive zum Verständnis und einer Einschätzung aktueller gesellschaftlicher Krisensituationen und sozialer Auseinandersetzung zu nutzen.
Björn Milbradt

 

Gibt es einen ‚Neuen Autoritarismus‘? Zur Kritik von Autoritätsverhältnissen Mit dem internationalen Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen steht auch die Frage nach dem Autoritarismus und damit der Empfänglichkeit für rechte Ideologien wieder auf der gesellschaftlichen Tagesordnung. So schreibt die Wochenzeitung „Die Zeit“ von einem „neuen Autoritarismus“ und stellt in Bezug auf Rechtspopulisten die Frage: „Wie soll man sie nennen? Faschisten, Autoritaristen, Populisten, Reaktionäre (…)“. Der Workshop wird sich der Frage widmen, inwiefern wir es bei den derzeitigen Phänomenen nicht nur am rechten Rand, sondern verstärkt auch in der „Mitte“ der Gesellschaft mit einem „neuen Autoritarismus“ zu tun haben. Zu diesem Zweck werden wir uns erst einmal vergegenwärtigen, was eigentlich der „alte“ Autoritarismus gewesen ist – dies geschieht insbesondere an „klassischen“ Texten der Kritischen Theorie, insbesondere von Fromm, Horkheimer und Adorno. Mit ihren Autoritarismusstudien haben die Forscher des Frankfurter Instituts für Sozialforschung zu begreifen versucht, warum Menschen empfänglich für faschistische Agitation und Ideologie wurden und warum selbst Angehörige der „Arbeiterklasse“, denen man damals noch eine weitgehende Resistenz gegen den Faschismus unterstellte, ihn bereitwilligt unterstützten. In einem zweiten Teil des Workshops werden wir uns mit einem kurzen Text von Alexandre Kojève auseinandersetzen, einem französischen Theoretiker, der erst seit kurzem durch die Erstübersetzung seines Textes „La notion de l´autorité“ ins Englische überhaupt für die internationale Autoritarismusforschung zugänglich wurde. Während „Autoritarismus“ oftmals ein schillernder, aber auch sehr schwammig verwendeter Begriff ist, unternimmt Kojève eine Bestimmung, die eine klarere Vorstellung davon vermittelt, was Autorität ist und wann menschliche Verhältnisse in Autoritarismus umschlagen. Abgeschlossen wird der Workshop mit einer Diskussion zu den aktuellen und äußerst beunruhigenden Entwicklungen und Erfolgen des Rechtspopulismus.
Stefan Hohn

 

„Wenn Wahlen etwas ändern würden…“ (Ausgerechnet) mit Parteien aus der Demokratiekrise? Neben dem Erstärken des Rechtspopulismus gibt es eine weitere Entwicklung in den europäischen Parteiensystemen, die gemeinhin weniger Beachtung findet: Parteien, die eine wichtige Rolle als Organisatoren einer antiausteritären Gegenöffentlichkeit übernommen haben, befinden sich ebenfalls im Aufwind: Podemos z.B. schickt sich an bei den Wahlen zum spanischen Parlament zweitstärkste Kraft zu werden, bei der Wahl in Portugal konnten PS und Bloco de Esquerda deutliche Zugewinne einfahren und in den großen sozialdemokratischen Parteien findet ein regelrechter Kampf zwischen Anhängern des Dritten Weges und progressiveren Kräften statt, am deutlichsten zu erkennen ausgerechnet bei der britischen Labour Party mit ihrem neuen Vorsitzenden Jeremy Corbyn. Aber den Erfolgen progressiver Parteien steht auch das Scheitern der Syriza bei den Verhandlungen um das griechische Schuldenmanagement gegenüber. Was können Parteien heute noch bewegen? Welche Rolle können sie spielen im Kampf gegen Austeritätspolitik? Und was bedeutet das Scheitern Syrizas für die Demokratie in Europa? Im Workshop werden wir uns die Grundlagen einer kritischen Parteientheorie anschauen, und davon ausgehend ausgewählte Fallbeispiele diskutieren.
Simon Kiebel & Felix Nickel

 

reclaim the sender! Dein Platz für Kritik und Utopie. Herrschaftskritisches Radio selber machen

reclaim the sender! Your space for critique and utopias. Do your own radio show.

Hörfunk ist elitär, hierarchisch und sendet nur Charts und Massenunterhaltung? Freie Radios und aktivistische Sender sprechen eine andere Sprache. Dass Radio auch ein progressives, politisches Instrument und Informationsmedium sein kann zeigt sich in zahlreichen Protestbewegungen. Ob während des arabischen Frühlings, den Platzbesetzungen in Spanien oder in der Refugee Bewegung: Offene Radios ermöglichen Menschen ihr eigenes Programm zu gestalten und nicht bloß passive Empfänger zu sein. So kommen Stimmen zu Wort, die sonst kaum Gehör finden. Unser Anliegen geht in eine ähnliche Richtung. Wir wollen euch die Möglichkeit geben eure Kritik und Utopie(n), Eindrücke von der Herr*Krit oder Themen, die euch schon lange auf den Nägeln brennen, ins Radio zu bringen. Nach einem kurzen Einstieg in die Freie Radioszene in Deutschland und anderswo wollen wir praktisch ans Werk gehen. Zusammen mit dem Campus Radio Kassel und dem Freien Radio Kassel werden wir eine komplette Radiosendung mit euren Inhalten und eurer Musik produzieren. Eine Einführung in die Radiotechnik steht dabei genauso auf dem Programm, wie das Sammeln von O-Tönen und dem Erstellen von Beiträgen. Auch wenn du keine Erfahrung im Radiomachen hast, bist du bei uns richtig. Wir freuen uns auf dich und deine spannenden, kritischen, insprierenden Ideen!
Is radio elitist, hierarchical, full of chart music and uncritical entertainment? Free radio stations and radio activism are different! Numerous social movements have shown that radio can still be a progressive political instrument and source of information. For example,the Arab Spring, occupation movements in Spain and refugee movements have reclaimed control over the means of mass communication. Community and protest radio station empower people to produce their own radio programs and move away from being just passive recipients. They amplify voices which are not heard in the mainstream media. Our workshop is moving in a similar direction… We are offering you the possiblity to bring your critique and utopias, your impressions about the conference or just issues you always wanted to talk about to the radio. After a short introduction to the Free Radio movement in Germany and elsewhere we want to move to a hands-on approach. Together with Campus Radio Kassel and Freies Radio Kassel (the local community radio station) we will plan and produce an entire radio show with your content and music. A short introduction to the technical aspects of radio producing will also be included in the workshop as well as collecting interview material and producing radio reports. Don’t worry if you have no experience with radio journalism we will guide you through the different steps. We look forward to seeing you with your exciting, critical and inspiring ideas!
Aram Ziai

Anti-Alienismus, Abwicklung des Nordens und Freie Kooperation In diesem Workshop soll die politische Theorie von Christoph Spehr, die im Umfeld des Bundeskongresses entwicklungspolitischer Aktionsgruppen sowie der Zeitschrift Alaska und inspiriert von (post-)marxistischen, feministischen und postkolonialen Ansätzen in den späten neunziger Jahren entstanden ist, vorgestellt und diskutiert werden. In ihr geht es u.a. um die demokratische Herrschaft der Aliens im Postfaschismus, um konkrete politische Maßnahmen der Abwicklung, oder um das Putzfrauendilemma – und generell um eine auf unterschiedlichen sozialen Bewegungen aufbauende Theorie von Herrschaft und Befreiung.

Impressionen von der Herr*Krit 2016