Das radikale Zentrum. Die Deligitimisierung linker Kritik und wie man ihr begegnen kann (Stream A)

„Das sind doch linke Spinner und Träumer!“ oder „Die Linken sind genauso schlimm wie die Rechten!“ oder „Alles Populisten! Eine Gefahr für die Demokratie!“ – Egal ob es sich um Syriza in Griechenland, Podemos in Spanien, Sanders in den USA, Corbyn und Momentum im UK oder Mélenchon und La France Insoumise handelte – überall, wo kapitalismuskritische oder auch nur linkssozialdemokratische Positionen sich anschickten, erfolgreich bei Wahlen abzuschneiden, waren sie diesen oder ähnlichen Vorwürfen von Seiten des politischen Mainstreams ausgesetzt. Diese Koalition der „Mitte“, bestehend aus Konservativen, rechten Sozialdemokraten und Liberalen, setzt verschiedene diskursive Taktiken ein, um herrschaftskritische Argumente zu delegitimieren und aus politischen Debatten herauszuhalten. Ein Nebeneffekt dieser Taktiken ist es, dass so die nationalistischen und rassistischen Positionen rechtsradikaler Parteien für viele Menschen als einzige „echte Alternative“ dastehen. Denn während man „ihre Sorgen ernst nehmen muss“, wird Kritik von links jegliche Substanz abgesprochen. Im Workshop werden wir uns mit drei diskursiven Strategien der Mitte zur Abwehr linker Kritik auseinandersetzen und ihr Verhältnis zum Aufstieg rechtsradikaler Parteien untersuchen: dem Vorwurf des Populismus, der impliziten Gleichsetzung von links und rechts („Horseshoe Theory“) und dem Argument der Alternativlosigkeit. Explizites Ziel wird es sein, Gegenstrategien zu entwickeln, wie man ihnen begegnen und kritische Positionen zurück in den Mainstreamdiskurs bringen könnte.

Stefan Hohn ist Doktorand im Bereich Politische Theorie an der Universität Kassel und promoviert zu einer historisch-materialistischen Theorie von Parteiendemokratie.