Die Hegemonie bei Antonio Gramsci – eine Einführung (Crashkurs)

Der Name ‚Antonio Gramsci‘ dürfte den allermeisten kritischen Wissenschaftler*innen und linken Aktivist*innen ein Begriff sein. Und das zurecht. Das Werk des italienischen Kommunisten ist eine der bedeutendsten Weiterentwicklungen des Marxismus und es hat bis heute einen prägenden Einfluss auf historisch materialistische Wissenschaft und linke Politik entfaltet. Doch das bedeutet leider nicht, dass Gramscis Ausführungen leicht zugänglich sind. Im Gegenteil, seine bedeutendsten Schriften – die Gefängnishefte – sind unter faschistischer Gefangenschaft entstanden und waren nie für die Veröffentlichung geplant. Entsprechend sind viele von Gramscis Erläuterungen provisorisch, bruchstückhaft und teilweise verschlüsselt.

Der Zweck dieses Workshops ist es daher, eine erste Einführung in Gramscis Konzept der Hegemonie zu bieten. Dieser Begriff stellt den Kern seines Verständnisses von politischer Herrschaft und gesellschaftlichen Kämpfen dar. Mit ihm lässt sich verstehen, wieso nach Gramsci der Kapitalismus in demokratischen Gesellschaften besonders resistent ist, wieso kulturelle Macht ebenso wichtig ist wie wirtschaftliche, und welchen Ansprüchen eine Linke gerecht werden muss, um echten Wandel bewirken zu können. In zwei Sessions werden wir uns gemeinsam einigen zentralen Textstellen aus den Gefängnisheften widmen, anhand derer wir versuchen werden Gramscis theoretische Perspektive besser zu verstehen und kritisch zu diskutieren.

Bernd Bonfert ist Doktorand an der Radboud Universität Nijmegen in den Niederlanden. Er erforscht dort europäische Anti-Austeritätsbewegungen und deren internationale Kooperation, wobei er sich vor allem auf neo-gramscianische Theorien und soziale Bewegungsforschung stützt. Er ist zudem Mitglied in der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung und hat zuvor in Marburg Politikwissenschaft studiert.