Die „neuen“ Munizipalismen – rebellische Städte und soziale Bewegungen (Crashkurs)

Erwachsen aus den Platzbesetzungen 2011/2012, den vielfältigen sozialen Bewegungen und den Arbeitskämpfen im Zuge des Krisenmanagements in Spanien gründeten sich in vielen Städten des Landes neuartige Zusammenschlüsse von Bewegungsakteur*innen und Parteien – die sogenannten munizipalistischen Listen. Mit den Kommunalwahlen im Mai 2015 überschritten diese hybriden Bündnisse die Schwellen lokalstaatlicher Institutionen unter anderem in Barcelona, Madrid, Valencia, Zaragoza, Santiago und Badalona wo sie nun seit über zwei Jahren als Teil eines Netzwerkes „rebellischer Städte“ (mit)regieren. Kontroversen und Widersprüche bleiben dabei nicht aus und trotzdem scheint das munizipalistische Versprechen attraktiv genug, um sich rasch zu verbreiten. Das Netzwerk dehnt sich über Europa bis nach Nord- und Südamerika. Die Idee eines neuen Munizipalismus, eines strategischen Fokussierens von Bewegungen auf die städtische Ebene findet also in sehr verschiedenen sozialen und politischen Kontexten Anklang. Im Crashkurs wollen wir uns mit historischen Ursprüngen (u.a. Pariser Commune) des Munizipalismus, der Geschichte und aktuellen Entwicklungen der Munizipalismen in Spanien und den emanzipatorischen Perspektiven von Stadtregierungen und einer translokalen Vernetzung auseinandersetzen.

Norma Tiedemann hat Global Political Economy studiert, arbeitet nun in der Politischen Theorie und interessiert sich seit längerer Zeit für Stadtentwicklung, feministische Theorie und Praxis und soziale Bewegungen.  

Martin Sarnow ist Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung und promoviert in der Arbeitsgruppe Stadt- und Bevölkerungsgeographie an der Universität Kiel zur Produktion urbaner Räume in einer verstetigten Krise. Konkret setzt er sich dabei mit den Folgen von Austeritätspolitik für die soziale Reproduktion und Ansätzen emanzipatorischer Alternativen zur neoliberalen Traurigkeit in Berlin und Barcelona auseinander.