Grundrisse zu einer kritischen Epistemologie der Ökonomik (Stream B)

Studentische Bewegungen für eine Plurale Ökonomik setzen sich für Methodenvielfalt in den Wirtschaftswissenschaften ein. Die bloße Koexistenz verschiedener Epistemologien begründet jedoch nur einen liberalen Pluralismusbegriff, der sich über den Gehalt der einzelnen Methodologien ausschweigt. Ein gemeinsames epistemologisches Fundament für eine kritische Ökonomik ist nach wie vor nicht vorhanden.

Eine progressive Epistemologie der Ökonomik sollte gleichermaßen kritisch, realistisch und strukturalistisch sein, wobei die genaue Bestimmung dieser drei Charakteristika im Workshop vorzunehmen wäre. Der Untersuchungsgegenstand wird darin als historisch gewachsen und deshalb prinzipiell veränderbar konzeptualisiert, den Erkenntnissen anderer Wissenschaften wird ausreichend Rechnung getragen, und anstelle einer individualistischen Konzeption von Gesellschaft rücken die determinierenden ökonomischen und rechtlichen Strukturen in den Fokus.

Diese Epistemologie der Ökonomik wird im Workshop auf die westafrikanische Franczone angewendet. Das ermöglicht uns, die Kontinuität von Herrschaftsverhältnissen zwischen globalem Süden und globalem Norden nachzuverfolgen. Dabei diskutieren wir zuerst die Grenzen der Mainstreamansätze und diskurstheoretischer Ansätze und untersuchen danach die Franczone anhand der neu entwickelten Epistemologie.

Das Seminar ist als klassisches Lektüreseminar mit Diskussion im Plenum angelegt, lässt aber auch Raum für Arbeit und Recherche in Kleingruppen. Dabei liegt das Gewicht gleichermaßen auf (1) wissenschaftstheoretischer Fundierung einer kritischen Epistemologie und (2) polit-ökonomischer Anwendung auf Fragen von abhängiger Entwicklung.

Carla Coburger hat Afrika und den Nahen Osten bereist und erkennt sofort, wenn ein westliches Konzept unlautererweise auf den Globalen Süden übertragen wird. Sie liebt Reis, hört Weltmusik und ist stets voller intellektueller Energie.

Patrick Klösel liest Wissenschaftstheorie wie Gute-Nacht-Romane und entkräftet jedes neoklassische Modell anhand dessen eigener fehlenden Wissenschaftlichkeit. Nebenbei tanzt er karamellkauend zu Indie-Rock und bereist die kaukasischen Bergregionen.