imperiale Lebensweise (Crashkurs)

Das Konzept der imperialen Produktions- und Lebensweise erlaubt die globale Ausbreitung und Ausbeutung der kapitalistischen Produktionsweise von Mensch und Natur im Zusammenhang zu alltäglichen, verinnerlichten und sozial akzeptierten Praxen zu verstehen. Als solches versucht es zu erklären, warum trotz wiederkehrender Krisen, zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und steigender (latenter) Unzufriedenheit mit den gesellschaftlichen Verhältnissen, ein grundsätzlicher sozialer und/oder ökologischer Wandel ausbleibt.

In diesem Crashkurs werden wir den Begriff vorstellen und seine wissenschaftlichen und politischen Implikationen diskutieren. Dabei stehen vor allem folgende Fragen im Mittelpunkt: Was gerät mit dem Begriff in den analytischen Blick? Was bedeutet das Konzept für herrschaftskritische Wissenschaft? Welche blinden Flecken gilt es mit Hilfe weiterer kritischer Gesellschaftstheorien zu erschließen? Inwiefern kann das Konzept politisch-strategische Ansätze zu einer sozial-ökologischen Transformation bereichern? Das Kursangebot richtet sich vor allem an Interessierte, die das Konzept kennenlernen, gemeinsam mit uns kritisch diskutieren und produktiv weiterdenken wollen.

Hinweis: Der Crashkurs eignet sich als Ergänzung zum Workshop “Von der imperialen zur solidarischen Lebensweise: Perspektiven sozial-ökologischer Transformation” von Tobias Kalt, Nilde Inkermann und Simon Walch

Literaturvorschläge zur Vorbereitung:

Brand, Ulrich und Wissen, Markus (2017): Imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von   Mensch und Natur im globalen Kapitalismus, München: oekom, S. 43-68.

I.L.A. Kollektiv (Hrsg.) (2017): Auf Kosten anderer. Wie die imperiale Lebensweise ein      gutes   Leben für alle verhindert, München: oekom, S. 8-12 (kostenloser Download)

 

Ulrich Brand beschäftigt sich als Professor an der Uni Wien mit den sozial-ökologischen Dimensionen kapitalistischer Vergesellschaftung, unter anderem anhand aktueller Entwicklungen in der internationalen Umweltpolitik und in Lateinamerika. Er prägte 2010 das Konzept der imperialen Lebensweise gemeinsam mit seinem Kollegen Markus Wissen.

Anil Shah begeistert sich für selbstorganisierte Lernprozesse, in denen Menschen versuchen die gegenwärtige globale Ökonomie zu verstehen, zu kritisieren und zu verändern. Er ist im Organisationsteam von herr*krit und Teil des I.L.A. Kollektivs, einer Gruppe von aktivistischen Wissenschaftler*innen, die das Konzept der imperialen Lebensweise anhand verschiedener Lebensbereiche für ein breiteres Publikum aufbereitet haben.