„Ist ein gehörntes Monster antisemitisch?“ Über Antisemitismus im Mediendiskurs (Stream B)

Das Muster ist immer dasselbe. So auch im Juli 2013, als die Süddeutsche Zeitung einen Artikel über deutsche Waffenlieferungen nach Israel mit dem Bild eines gehörnten grünen Monsters illustriert hatte, dem eine Kellnerin gerade Essen serviert. Bildunterschrift: „Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt“. Die Skandalisierung folgte auf den Fuß. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland diagnostizierte „fast schon ›Stürmer‹-Niveau“. Schon am folgenden Tag wusste Franziska Augstein – praktischerweise wiederum in der Süddeutschen – zu beruhigen: „Ernst Kahls gehörntes, hungriges Monster hat mit den antisemitischen Klischees nichts zu tun.“ Weder habe das Monster Israel darstellen sollen, noch dürfe man Israel mit den Juden gleichsetzen. Alles „Missverständnisse“, alles nicht antisemitisch gemeint. Bitte gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen.

Solchen ritualisierten Prozessen von antisemitischer Artikulation, Skandalisierung und Abwehr gehen wir in unserem Workshop auf den Grund. Zunächst erarbeiten wir uns Definitionen von Antisemitismus und seinen verschiedenen gegenwärtigen Artikulationsformen. Daraufhin untersuchen wir anhand verschiedener Beispiele aus linken, liberalen, konservativen und rechten Medien die Arten, auf die mit Antisemitismusvorwürfen umgegangen wird.

Floris Biskamp ist Politikwissenschaftler und Soziologe an der Universität Kassel. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen neben der Bekämpfung unzumutbarer Arbeitsverhältnisse an der Universität die Erforschung von Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus sowie politische Theorie und Gesellschaftstheorie.

Jakob Baier studierte Englisch, Sport und Politik an den Universitäten Marburg und Kassel. An der Universität Kassel war er anschließend Lehrbeauftragter für deutsch-jüdische Bildungsgeschichte sowie für die neuere Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus. Derzeit forscht er im Rahmen seines Dissertationsprojekts mit dem Titel „Illuminati, Rothschilds, Zionisten: Zum Verhältnis von Sozialkritik und Antisemitismus im deutschsprachigen Rap.