„Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen!“ – Ziviler Ungehorsam als Mittel radikaler Intervention? (Stream B)

Als an einer Nürnberger Berufsschule der 20-jährige Asef aus dem Unterricht gezerrt wird um am selben Tag nach Afghanistan abgeschoben zu werden, setzen sich seine Mitschüler*innen spontan dem Polizeiauto in den Weg…

In der Rüstungshochburg Kassel blockieren Antimilitarist*innen die Werkstore einer Panzerfabrik und protestieren gegen Waffenlieferungen in Spannungs- und Kriegsgebiete…

Im Braunkohlerevier bei Köln stürmen Tausende Aktivist*innen die Tagebau-Grube, besetzen Bagger und unterbrechen den Kohle-Nachschub der Kraftwerke. Europas größte CO2-Quelle muss für Stunden die Leistung  runterfahren…

So verschieden die Ziele der Ungehorsamen, so nutzen sie doch ein gemeinsames Mittel:

Indem sie Regeln kollektiv übertreten, machen sie nicht nur auf konkrete Herrschaftsverhältnisse aufmerksam, sondern unterbrechen auch deren alltägliche und scheinbar alternativlose Routine. Ohne eine Definition vorzuschreiben, diskutieren wir was Ziviler Ungehorsam für uns sein kann und in welchen Bewegungen er uns begegnet. In Bewegung werden auch wir kommen. Mithilfe erfahrener Aktionstrainer*innen üben wir Handeln in Bezugsgruppen, Durchfließen von Hindernissen, Blockieren mit dem eigenen Körper und den Umgang mit Repression. Dabei geht es nicht nur um Technik-Training, sondern auch darum dass du für dich auslotest, womit du dich in einer Aktion okay fühlst. Das Training soll Raum bieten, auf Befürchtungen einzugehen und das Vertrauen in die eigene und gemeinsame Handlungsfähigkeit zu stärken.

Simon Kiebel studiert in Kassel Politikwissenschaft und interessiert sich für die Schnittmengen zwischen Wissenschaft, Journalismus und Aktivismus. In Bezug auf Zivilen Ungehorsam beschäftigt ihn wie diese Aktionsform zum Erfolg von sozialen Bewegungen beitragen kann. Besonders spannend war für ihn dabei 2017 die Kampagne „Ende Gelände“, als Teil einer Bewegung für Klimagerechtigkeit.

Lukas Hoffmann lebt in Berlin und arbeitet in der Interventionistischen Linken zu den Themen Kurdistan und Türkei. Seit dem ersten Bildungsstreik beschäftigt ihn (Ziviler) Ungehorsam in Gesprächen, an der Uni und auf der Straße.

Susanne (Hentschel) hat ihre erste Erfahrung mit zivilem Ungehorsam in einer Braunkohlegrube im Rheinland bei den Protesten von „Ende Gelände“ gemacht. Sie ist in der Interventionistischen Linken Berlin und in einer queerfeministischen Gruppe aktiv und studiert seit letztem Jahr Politikwissenschaft im Master in Kassel.