Kritik der Bioethik. Feministische und postkoloniale Interventionen (Crashkurs)

Bioethik, zusammengesetzt aus den drei Teilbereichen der Medizin-, Umwelt- und Tierethik, ist ein globales  Projekt mit hohem Anspruch: “Die Bioethik analysiert und bewertet den wissenschaftlich vermittelten Umgang mit Leben.“ (Sturma/Heinrichs 2015, S.1) In ihrer Monographie When Species Meet (2008, S.136) antwortet die feministische Wissenschaftstheoretikerin Donna Haraway auf das Projekt: „If bioethics is to be part of science studies, it will have to get real.”

Der Crashkurs greift diese Forderung eines “Real-Werdens” der Bioethik auf.  Hierbei geht es uns nicht nur um die Frage, in welcher Weise sich bioethische Debatten in die Wissenschaftsforschung einbringen können (wie Haraway es formuliert), sondern vor allen Dingen darum, gemeinsam herauszuarbeiten, inwieweit Bioethik als Herrschaftsformation, die z.B. eine spezifische Regierung von Versuchspersonen erst ermöglicht, gelesen werden kann. Die Arbeitshypothese des Crashkurses ist es dabei, dass feministische und postkoloniale Perspektiven auf bioethische Debatten sichtbar machen, inwieweit einige bioethische Diskurse in der Tat “realitätsfern” funktionieren.
Ziel des Workshops ist es, Kritiken der Bioethik zu erschließen, vor allen Dingen aber auch über mögliche alternative Zugänge nachzudenken.

Katharina Hoppe ist Soziologin  und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsschwerpunkt Biotechnologie, Natur und Gesellschaft an der Goethe-Universität Frankfurt. Mit ihren Arbeiten, insbesondere zu „neuen“ Materialismen und dem Werk Donna Haraways, schreibt sie sich fundiert und mit großer Leidenschaft in Debatten um soziologische Theorie sowie feministische Theoriebildung und Wissenschaftskritik ein.

Laura Schnieder ist Medizinsoziologin. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsschwerpunkt Biotechnologie, Natur und Gesellschaft an der Goethe-Universität  befasst sie sich mit Biomarkern, Bioökonomie, (Health)Care, Depressionen, Versuchspersonen und biomedizinischen Visionen.