Kritische politische Europabildung: Ist die EU demokratisch gestaltbar? (Stream B)

Mit was für einem Europa sind wir aktuell konfrontiert? Kann überhaupt von einem Integrationsprojekt die Rede sein oder geht es nicht eher darum, den Zerfall der EU abzuwenden, also um Desintegration und Dauerkrisen? Der Workshop geht aus von Analysen der Vielfachkrise, die sowohl die Integrations-, die Wohlstands- und Friedensidee als auch das demokratische Selbstverständnis nachhaltig infrage stellen. Werden Demokratie, Sozial- und Rechtsstaat in der EU tatsächlich gestärkt? Oder müssen sie vielmehr gegen die Logik transnationalen Regierens und offener Märkte gesichert werden? Die Zuspitzung und möglichen Auswege aus der Krise der EU zeigen sich vielfach in falschen, weil verkürzten Alternativen. Die sozialen Kämpfe in und um Europa werden weder verstehbar, noch politisch gestaltbar, wenn die zentrale Frage: „Wofür steht das vereinte Europa?“ allein mit affirmativen Bekenntnissen zur europäischen Idee, dem Versprechen von Frieden, Freiheit und Wohlstand beantwortet werden. Im Mittelpunkt unserer Diskussion steht zum einen die Frage, auf welche Weise die sozialen Kämpfe um Hegemonieprojekte in Europa in schulischen und non-formalen Bildungsformaten thematisiert werden, zum zweiten aber auch, inwiefern die Krisenphänomene alternative Gestaltungsräume eröffnen und zu „kollektiven Lernprozessen“ führen können. Die Möglichkeiten, Konflikte und soziale Kämpfe sichtbar zu machen, Handlungsoptionen für und in Europa zu analysieren und zu erproben, werden an ausgewählten Bildungsmaterialien analysiert.

Andreas Eis ist seit 2015 Professor für Didaktik der Politischen Bildung an der Universität Kassel. Er studierte Sozialwissenschaften und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien. Nach dem zweiten Staatsexamen in Thüringen arbeitete er in der Lehrerbildung an den Universitäten Jena, Augsburg, Frankfurt/M. und Oldenburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Transformationen in entgrenzten Demokratien, partizipatorische Demokratiebildung sowie qualitative politische Bildungsforschung.