Methodology of the Oppressed: Strategische Handlungsmacht und dekoloniale Bündnispolitik im Chicana-Feminismus. (Crashkurs)

In den 60er Jahren eigneten sich mexikanisch stämmige Aktivistinnen* im Süden der USA die abwertende Bezeichnung chicana an und machten sie zur Selbstbeschreibung ihrer Bewegungen. Den Kämpfen, in die Aktivist*innen in ihren verschiedenen Rollen als Latinas*, Frauen*, Arbeiterinnen* und Lesben* involviert waren, entsprang die aktivistische Praxis und intersektionale Theorie des Chicana Feminismus. Chela Sandovals Monographie Methodology of the Oppressed ist aus den Erfahrungen ihres aktivistischen Lebens entstanden und bildet gleichzeitig eines der theoretischen Hauptwerke der Chicana Studies. Chela Sandoval fragt danach, wie sich in einer neokolonialen, kapitalistischen und patriarchalen Gesellschaft revolutionäre Subjekte formieren können. Ihr zentrales Konzept des differential consciousness entwirft einen Rahmen, in dem Akteur*innen – ausgehend von ihren materialistisch gedachten gesellschaftlichen Positionen – strategisch Handlungsfähigkeit erlangen und Bündnisse eingehen können, ohne dabei zugeschriebene Identitäten zu essentialisieren. Das differential consciousness erlaube es ihnen dabei, ein Selbstverhältnis einzugehen, welches die eigene Identität als strategische und situierte begreift. Eine solche Subjektivierungsweise bietet für Sandoval die Grundlage für dekoloniale, feministische und antikapitalistische Politik und Theorie. Gemeinsam möchten wir diskutieren, was wir vom Chicana Feminismus lernen können und inwiefern die Konzepte sich auf aktuelle politische Fragen in mitteleuropäischen Gesellschaften anwenden lassen. Hierfür werden wir die historischen gesellschaftlichen Entstehungskontexte des Chicana Feminismus rekonstruieren und uns mit einigen zentralen Konzepten vertraut machen.
Zoe* ist nach ihrem Soziologie-Bachelor in Freiburg nach Wien gezogen und studiert dort Gender Studies. Wie Geschlecht, Kapitalismus und Kolonialität miteinander verwoben sind und wie dekoloniale, queere feministische Bündnispolitiken dagegen gelingen können, treibt sie* um. Ihre Suchbewegungen vollzieht sie* zwischen postkolonialen Feminismen, materialistischer Queer-Theory und Queer of Color Critique.

Mila studiert Soziologie im Master in Freiburg, beschäftigt sich mit globalen (post/neo)kolonialen ökonomischen und insbesondere kulturellen und epistemologischen Machtverhältnisse, Subjektivierungsweisen und Identitäten sowie mit dekolonialen und postkolonialen Epistemologien, Ontologien und Kosmologien. Letztere drei sucht sie in den Spannungsverhältnissen und Resonanzen zwischen Kritischer Theorie, poststrukturalistischen nordatlantischen Ansätzen und insbesondere lateinamerikanischer dekolonialer Theorie.

Der Crashkurs ist aus einem gemeinsamen Lektüreprojekt zum Chicana Feminismus im Winter 2016 in Freiburg entstanden.