Transnationalize Feminism?! Über Widersprüche, Konflikte und Solidarität in globalen feministischen Bewegungen (Stream B)

Spätestens seit der ‚Silvesternacht’ in Köln ist in Deutschland ein öffentlicher Deutungskampf um feministische Positionen ausgebrochen. Feministinnen wie Alice Schwarzer fordern, den Islam zu kritisieren und den Kampf gegen das Patriarchat als universalistisch anzusehen. Queerfeminist*innen und Genderforscher*innen warnen vor neuen Rassismen, während ihnen Kulturrelativismus und Identitätspolitik vorgeworfen werden. Die Bundesregierung nutzte ein feministisches Schutzargument, um die Illegalisierung junger Männer aus nordafrikanischen Ländern zu legitimieren. Die rechtspopulistische Partei AFD mobilisiert gegen Einwanderung, um den „Import des Patriarchats“ zu stoppen, während sie gegen den „Genderwahn“ Stimmung macht.

Verlässt man den europäischen Kontext und betrachtet die Situation von Frauen* aus einer globalen Perspektive – was gerade im Zusammenhang mit Migration und Flucht dringend notwendig ist –, verkomplizieren sich scheinbar eindeutige feministische Positionen. Es kommen weitere Unterdrückungsformen und Machtverhältnisse hinzu. Feministinnen* weltweit vereint zumeist der Kampf gegen das Patriarchat, gleichzeitig treffen je nach geopolitischer Verortung und Klasse stark widersprüchliche Positionierungen konflikthaft aufeinander. In einer globalisierten Welt, die durch neokoloniale Strukturen geprägt ist und in der die sozialen und ökologischen Kosten des Wohlstands eines kleinen Teils der Bevölkerung systematisch ausgelagert werden, müssen transnationale Zusammenhänge auch in feministischen Kämpfen neu diskutiert werden. Für diese Diskussion soll der Workshop Raum geben.

Im Rahmen der Konferenz „Migration, Entwicklung und ökologische Krisen“, die vergangenen Oktober in Leipzig stattfand, wurde auch über feministische Kämpfe und Perspektiven im Globalen Süden sowie transnationale Solidarität zwischen Frauen* diskutiert. Daraus entstand eine Arbeitsgruppe, die diese Fragen weiterverfolgt: Carina Flores, Dora Sandrine Ndedi, Julia Daiber, Lydia Lierke, Miriam Gutekunst, Nyima Jadama.