Was und wer ist Herr*Krit?

Spiegel-Reporter: „Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung…“
Adorno: „Mir nicht!“

 

Uns erscheint die Welt auch nicht in Ordnung. Wir können und wollen uns noch immer nicht mit den herrschenden Zuständen abfinden: 
Nicht mit den Bomben, die täglich in vielen Regionen dieser Welt fallen. Nicht mit dem Hunger, der an vielen Orten herrscht. Nicht mit dem Aussperren und Abschieben von Flüchtenden. Nicht mit dem Erstarken von Nationalismus und Faschismus. Nicht mit Rassismus, Sexismus und anderen Formen der Diskriminierung. Nicht mit der Tatsache, dass auch bei uns Menschen in Mülleimern nach Pfandflaschen wühlen müssen.
 
Was sagen die Universitäten zu einer solchen Welt? Unserer Meinung nach zu wenig. Die privilegierten Orte der Wissensproduktion sind längst zu unternehmerischen Hochschulen geworden; die dort Arbeitenden besitzen oft weder die Kapazitäten noch den Willen, Wissen für eine Veränderung der herrschenden Zustände zu generieren. Davon halten sie Konkurrenz, Wettbewerbslogik, Prekarität und die daraus resultierende Erschöpfung ab.
Gerade in Zeiten von erstarkenden nationalistischen, autoritären und sogar neofaschistischen Bewegungen, die auch hierzulande unter intellektuellen Anklang finden, können Universitäten sich nicht auf ihre Rolle als Institutionen der neutralen Wissensvermittlung zurückziehen. Wir wollen es nicht den Trumps, Gaulands und anderen Nationalist*innen, Antifeminist*innen und Rassist*innen dieser Welt überlassen, Antworten auf sich zuspitzende sozialen, ökonomische und ökologische Krisen zu formulieren.
 
Die Herr*Krit 2018 soll ein Raum sein, in dem wir bestehende Herrschaftsverhältnisse verstehen, kritisieren und gemeinsame Utopien entwickeln können. Dafür gibt es einen Rahmen von über 60 Workshops und Crashkursen, Stadtrundgänge, Freiraum zum selbstständigen Lernen mit und voneinander sowie ein Kunst- und Musikprogramm. Bereits die Herr*Krit 2016 zeigte, dass Kassel ein geeigneter Ort für das Zusammentreffen kritischer Lernender, Lehrender und Forschender ist. Nun, zwei Jahre später, laden wir erneut zu einer herrschaftskritischen Sommeruniversität ein.
  
Eingeladen sind alle, die studieren oder zukünftig studieren wollen; die arbeiten und ein Bedürfnis nach kritischer Reflexion verspüren; die politisch aktiv sind, um für eine bessere Welt einzustehen. Und natürlich all jene, die an ihrer eigenen Hochschule kritische Gesellschaftstheorie vermissen.

Kommt vom 23. bis zum 27.7
.18 nach Kassel!

 

Die Herr*Krit 2018 wird kollektiv organisiert von: Ajla Rizvan, Alexander Gallas, Andreas Eis, Anil Shah, Anne Engelhardt, Aram Ziai, Carolina Alves Vestena, Ceylan Yildirim, Christian Möllmann, Felix Nickel, Floris Biskamp, Franziska Müller, Frederik Metje, Hannah Grün, Isabell Lorey, Jannis Eicker, Laura „Lore“ Voelker, Manuel Neumann, Mia Kristin Häckl, Moritz Elliesen, Noemi Dedring, Norma Tiedemann, Oliver Emde, Simone Claar, Simon Rettenmaier, Sonja Buckel, Verena Häseler.