Workshops Stream A

Zeiten der Workshops in Stream A:

Di, 26.07., 11:30h – 13:00h
Mi, 27.07. 9:30h – 11:00h
Do, 28.07. 9:30h – 11:00h

Lehrende/Tutors

Titel/Title

Kurzbeschreibung/Short Description

Joaquin Bernaldez

Alexander Gallas

Critical Realism: An Alternative to Positivism and Interpretivism

Critical realism is a philosophy of the social sciences that stems from the UK and has been shaped by authors such as Margaret Archer, Roy Bhaskar and Andrew Sayer. It criticises positivism and interpretivism by emphasising that social reality cannot neither be reduced to a collection of laws connecting dependent and independent variables nor to human experience or discourses. Correspondingly, it develops a theory of social reality divided into layers and insists that the social world is characterised by the existence of deep structures such as the capitalist relations of production, which impact on social actors without determining fully what they do. As a result, critical realism allows for conceptualising the systemic dimension of relations of domination without adopting the functionalist or deterministic lines of argument to be found in other macro theories of the social world.

Sonja Buckel

Max Pichl

Materialistische Rechtstheorie

Das Recht sei vielleicht ein „noch vertrackteres Ding als die Ware“ hat die Rechtstheoretikerin Ingeborg Maus einmal festgestellt. Wie kann es etwa einen Aufschub der Macht bedeuten und zugleich mit dem staatlichen Gewaltmonopol durchgesetzt werden? Wie kann es sich gegenüber seinen Autor*innen verselbständigen und dennoch ein begrenztes Emanzipationspotential aufweisen? Marx selbst hat keine systematische Rechtstheorie hinterlassen, aber viele Anknüpfungspunkte für eine solche. Seit Beginn des letzten Jahrhunderts haben verschiedene kritische Wissenschaftler*innen diese Fäden aufgenommen und Vorschläge verfasst, wie das Recht in der materialistischen Tradition zu begreifen ist. Der Workshop soll einen Überblick über diese verschiedenen Entwürfe ermöglichen. Die Teilnehmenden sollten über Grundkenntnisse der marxschen Theorie verfügen, müssen aber weder Marx-Expert*innen noch Jurist*innen sein.

Andreas Eis

Juliane Hammermeister

Frederik Metje

Vom Kritiklernen zur kollektiven Handlungsfähigkeit? Wege in eine kritische politische Bildungspraxis

Gesellschaftliche Krisen und Umbrüche fordern kollektive Lernprozesse heraus. Eine Antwort auf die gegenwärtige Krise der Demokratie stellen neue Protest- und soziale Bewegungen dar, deren transformativer Handlungsspielraum jedoch sehr begrenzt bleibt. Im Mittelpunkt des Workshops steht die Fragestellung, inwieweit (neue) Formen der Partizipation tatsächlich zu mehr Demokratie und zu ‚demokratischen Transformationen‘ führen oder ob die zahlreichen Beteiligungs- und Engagementaktivitäten nicht vielmehr auch als Technologien neoliberaler Selbststeuerung wirksam werden können. Politische Bildung spielt hierbei eine zentrale Rolle – sowohl in ihrer institutionalisierten Form (des Unterrichts, der Schulentwicklung, der Lehrerbildung) als auch in der außerschulischen, non-formalen Bildung (u.a. durch Stiftungen und Verbände) und in informellen (kollektiven) Lernprozessen z. B. in sozialen Bewegungen. Der Workshop knüpft inhaltlich an den Crashkurs ‚Bildung – MACHT – Subjekte‘ an.

Daniel Bendix

Josephine Brämer

Post-Development und Degrowth: Eine Einführung in Wachstums- und Entwicklungskritik in Nord und Süd

WORKSHOP BEREITS VOLL. KEINE WEITERE BELEGUNG MÖGLICH.

Post-Development-Ansätzen geht es um die radikale Infragestellung der vorherrschenden Ideen von ‚Entwicklung‘ und von Entwicklungspolitik im Globalen Süden. Sie kritisieren diese u.a. mit dem Verweis auf die zerstörerische Wirkung von Entwicklungshilfeprojekten und Modernisierung, die Reproduktion kolonialen Denkens, die Reduktion eines guten Lebens auf sozioökonomische Indikatoren sowie der Ausklammerung des problematischen Gesellschaftsmodells des Nordens. Der Kritik und Transformation der westlichen kapitalistischen Gesellschaftsform im Norden hat sich wiederum die seit einigen Jahren erstarkende Degrowth-Bewegung verschrieben (in Deutschland auch unter dem Stichwort ‘Postwachstum’ bekannt). In diesem Workshop wird in diese beiden Denk- und Handlungsperspektiven eingeführt. Außerdem erarbeiten wir die Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Potentiale der beiden Ansätze. Darüber hinaus geht es uns um die Frage, welche Rolle die von Post-Development und Degrowth aufgeworfenen Themen in unserem Alltag und in Bezug auf unsere politischen Handlungsmöglichkeiten spielen.

Ralf Damitz

Philip Fehling

130 Jahre Haymarket-Tragödie: Theorie und Praxis nordhessischer Sozialrevolutionäre

Niemand wusste, wer die Bombe geworfen hatte, die am 4. Mai 1886 auf dem Haymarket in Chicago bei einer Kundgebung von aufgebrachten Arbeiterinnen und Arbeitern explodierte und zahlreiche von ihnen sowie einige Polizisten in den Tod riss. Dennoch antworteten die Herrschenden von Chicago mit einem Lehrstück von Klassenjustiz und nutzten das Ereignis, um sich der stadtbekannten Wortführer des sozialrevolutionären Flügels der Arbeiterbewegung durch Hinrichtung und Gefängnisstrafen zu entledigen.

Den Geschehnissen auf dem Haymarket ging die landesweite und bis dahin umfangreichste Mobilisierung von Arbeiterinnen und Arbeitern in der amerikanischen Geschichte voraus – die ‚Achtstundentagbewegung‘. Mittendrin im Streikzentrum von Chicago befanden sich zwei nordhessische Emigranten: August Spies und Georg Engel. Im Workshop wollen wir den Ideen und der gesellschaftlichen Praxis des sozialrevolutionären Flügels der Arbeiterbewegung von Chicago nachspüren. Als Zugang dienen uns dabei (auch) die Biografien der nordhessischen Protagonisten.

Tamila Tagieva

What is Wrong With Development Aid?

Throughout many decades international organizations have been working to eradicate poverty in the world. Billions of US dollars flow from rich to poor countries, thousands of people get employed to develop the third world, but the long-waited wonder does not happen. There is no take-off. The question then arises whether development aid is really effective. Why do we spend so much money on development and get no final result? What is actually development? When a rich man gives money to the poor, his domination over the poor seems to be inevitable. The same is true for development aid characterized by the domination of donor countries over the recipient and hence by inequality. Donor countries often dominate in the decision-making process in international organizations. The proposed workshop will explore the problem of domination in-depth with regard to a number of global as well as regional organizations. We will particularly look at “techniques” of domination which developed countries utilize when allocating aid money and thereby promoting their self-interest.

Silke Hakenesch

Anke Ortlepp

Black Lives Matter? Amerikanischer Alltagsrassismus im 21. Jahrhundert

Obwohl die USA seit fast acht Jahren von Barack Obama, dem ersten afroamerikanischen Präsidenten, regiert werden, hat sich an der Situation viele Afroamerikaner wenig verändert. Armut, strukturelle Benachteilung im Bildungssektor und auf dem Arbeitsmarkt prägen den Alltag viele Schwarzer ebenso wie die Erfahrung physischer Gewalt mit Todesfolge. Wie ist diese Situation mit der Debatte um Post-Rassismus vereinbar? Dieser Workshop betrachtet die Ursachen und Erscheinungsformen von amerikanischem Alltagsrassismus. Er befasst sich auch mit den Aktitvitäten von Bürgerrechtsbewegungen wie Black Lives Matter.

Floris Biskamp

Jakob Baier

Illuminati, Rothschilds, Zionisten:

Über das vertrackte Verhältnis von Antisemitismus, Herrschaft und Kritik am Beispiel von Deutschrap

Das Verhältnis von Herrschaftskritik und Antisemitismus wird dadurch kompliziert, dass Antisemitismus selbst als Herrschaftskritik daherkommt – als ‘Kritik’ an einer verschworenen Gruppe von Strippenziehern hinter den Kulissen, die für alle Übel der Welt verantwortlich zu machen seien. Ein im besseren Sinne kritischer Blick zeigt freilich, dass diese ‘Kritik’ die für moderne Gesellschaften spezifische Form einer durch Staatsapparate und Kapital vermittelten und daher gerade nicht personalen Herrschaft eben nicht kritisiert, sondern projektiv verarbeitet. Der antisemitische Blick entdeckt konkrete Akteur_innen, deren Auslöschung die Harmonie der Welt wiederherstellen soll. Damit bleiben die herrschenden Verhältnisse unsichtbar und unangetastet, während Unschuldigen die Vernichtung angedroht wird. Im Workshop werden zentrale Ansätze der Antisemitismuskritik und wichtige Erscheinungsformen des Antisemitismus anhand von Tracks und Interviewäußerungen deutscher Rapper_innen diskutiert.

Patrick Eser

Von der Politischen Ästhetik zum Ästhetisch-Imaginären des Politischen. Kritische Konzepte und jüngere/klassische Debatten in den Kulturwissenschaften

Welche politische Funktion kommt kulturellen Repräsentationen und fiktionalen Imaginationen des Sozialen zu? Geht es darum, das Politische und die Kritik von Kunst und Kultur zu bestimmen, ist die Frage nach den Kriterien der Bewertung zu stellen. Kann Realismus ein adäquates Kriterium für die politische Bewertung von Kunst sein, wie einst Friedrich Engels in einer klassischen Formulierung forderte: „Realismus bedeutet (…) außer der Treue des Details die getreue Wiedergabe typischer Charaktere unter typischen Umständen“? Ein kritischer Umgang mit diesen Intuitionen soll am Beispiel der Fiktion und (Nicht-)Darstellung prekärer Welten im zeitgenössischen Film und Roman diskutiert werden und vor dem Hintergrund der Diskussion relevanter kulturwissenschaftlicher Konzeptionen wie des ‚Politischen Imaginären‘ und der ‚Ästhetisch des Politischen‘ sowie grundlegender Begriffe wie Imagination, Fiktion, Repräsentation und nicht zuletzt auch des Realismus geschehen.

Anna Steenblock

Silvia Federici: Materialistischer Feminismus und Queer Theory?

WORKSHOP BEREITS VOLL. KEINE WEITERE BELEGUNG MÖGLICH.

In dem Workshop wollen wir uns mit Grundlagen materialistisch-feministischer Theorie beschäftigen und der Frage, inwiefern Verbindungslinien zu queerfeministischer Theorie gezogen werden können. Ausgangspunkt sollen die Arbeiten von Silvia Federici sein. Das Kollektiv Kitchen Politics schreibt über Silvia Federici: »Federici gelingt es, Verbindungslinien zwischen verschiedenen Formen von Gesellschaftskritik zu ziehen, und realisiert damit etwas, das uns mehr denn je von Bedeutung scheint.« Sie sehen darin einen wichtigen Beitrag, um Antikapitalismus und queerfeministische Kritik zusammenzuführen. Ein Kristallisationspunkt dieser Diskussion ist die Frage nach der Materialität des Körpers.

Simon Rettenmair

Verena Häseler

Universität M(m)acht (Aus)Bildung

„Wissen lässt sich sicherlich nicht auf Herrschaftfunktionen reduzieren. Doch allein die jenigen, die über Ressourcen verfügen, können Wissen ausarbeiten, pflegen und tradieren. Und umgekehrt ist es gerade die Macht dieses Wissens, die Ihnen widerum hilft, ihr Privileg zu bewahren.“ (Alex Demirović)
Gemeinsam wollen wir einige Grundsätze und Positionen des „Prinzips Universität“ – welches in Anlehnung an den humanistischen Bildungsbegriff Humboldts und die ‚Unbedingte Universität‘ Derridas gedacht werden muss – betrachten und erabeiten, inwiefern oder ob sich das „Prinzip Universität“ in die zunehmend durch ökonomische Einflüsse geprägte Institution der Universität nach Bologna integrieren lässt. Wie wirken sich aktuelle bildungspolitische Reformbemühungen –beispielsweise die Exzellenzinitiative – auf Forschung und Lehre aus? Was erwarten Studenten von universitärer (Aus)Bildung? „Wir müssen also verstehen, dass die Universität gemäß ihres Prinzips der letzte Ort bleibt, an dem sich noch die Frage der Zwecke, der Bestimmung, der Emanzipation stellen und bearbeiten lässt.“ (Plínio Prado)

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