Workshops Stream B

Zeiten der Workshops in Stream B:

Di, 26.07., 16:00h – 17:30h
Mi, 27.07., 11:30h – 13:00h
Fr, 29.07., 9:30h – 11:00h

Lehrende/Tutors Titel/Title Kurzbeschreibung/Short Description
Moritz Elliesen


Dirk Martin

Traditionelle und kritische Theorie Im Workshop wird es um die gemeinsame Diskusiion des 1937 von Max Horkheimer veröffentlichten Aufsatzes „Traditionelle und kritische Theorie“ gehen, der in der Zeitschrift für Sozialforschung des sich im Exil befindenden Frankfurter Instituts für Sozialforschung erschienen ist. Dieser Text wird zu Recht als zentraler Text der älteren Kritischen Theorie angesehen. Wir werden den Text detailliert besprechen und besonders die weitgehend impliziten Bezugnahmen auf die Theorie von Marx herauszuarbeiten versuchen. Der Workshop ist zugleich von der Überzeugung geleitet, dass dieser Text nicht nur von historischer Bedeutung ist, sondern auch für die aktuellen Debatten kritischer Theorien wichtige Überlegungen enthält.
Olli Emde



Spazierend’ schreiten wir voran!?‘ –

Promenadologie und ihre emanzipatorischen Potentiale

Konsumkritische Stadtrundgänge’, ‚Antifaschistische Spaziergänge‘ oder ‚Postkoloniale Stadtführungen‘ – Angebote des Flanierens scheinen in der politischen Bildungsarbeit en vogue zu sein. Diese Formate ‚politischer Bildung von unten‘, in der Regel angeboten von NGOs und Akteuren Neuer Sozialer Bewegungen, sind zwischen Bildung, Aufklärung, Kampagnenarbeit und Aktion zu verorten. Durch dieses Spannungsfeld stellen sie einen interessanten Untersuchungsgegenstand dar, an dem im Workshop theoretische Konzepte der kritischen politischen Bildung veranschaulicht werden. Außerdem werden durch konkrete Beispiele pädagogischer Praxis Zugänge und Gemeinsamkeiten der politischer Bildung zur kritischen Kulturvermittlung aufgezeigt und mit der Workshop-Gruppe die kritischen Potentiale unterschiedlicher Methoden weiterentwickelt.
Jorge Forero
Politics and geopolitics in the Civil Wars of the XXI Century

WORKSHOP BEREITS VOLL. KEINE WEITERE BELEGUNG MÖGLICH.

The humanitarian crisis in Syria and the rest of the Middle East, made evident to most European citizens by an unprecedented refugee influx, is a dramatic example of the global consequences of civil and irregular wars. The category of “failed states”, used in security studies to provide an account of supposedly exceptional and marginal phenomena, now seems applicable to a wider range of situations, from Ukraine to Libya, from Nigeria to Mexico. A closer look at these conflicts highlights their relationship with the global economy and an unprecedented capacity to react to the social transformations of the last three decades, from the falling of the Soviet block to financial deregulation, the Internet and social networks. At the same time, long term historical dynamics, classic political discourses, national traditions and religious beliefs, are still an important component of their dynamics. Using materials from media, films and TV shows as a means of reflexion, this crash course seeks to provide analytical tools from critical theory for a deeper understanding of the political and economic dimensions of civil wars and irregular armed conflicts.

Jan Hoff
Ökonomiekritik und Emanzipationstheorie bei Marx Marx ging es in seiner Kritik der politischen Ökonomie um die Darstellung des inneren Zusammenhangs der ökonomischen Verhältnisse und die Aufdeckung der Bewegungsgesetze der kapitalistischen Produktionsweise. Eine systematische Ausarbeitung der nachkapitalistischen Gesellschaft fehlt hingegen im Kapital. Dennoch lassen sich aus zahlreichen im Kapital (und in den zugrundeliegenden Manuskripten) verstreuten Äußerungen wichtige Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich Marx die sozialistische Gesellschaft vorgestellt hat. Letztlich ging es ihm nicht um „rohe Gleichmacherei“, sondern um die „volle und freie Entwicklung jedes Individuums“.
Jörg Nowak
Zerschlagung des bürgerlichen Staates – und dann?
Althussers Kritik des sowjetischen Sozialismus
Auf diesem Workshop möchten wir die Staatskritik des marxistischen Philosophen Louis Althusser vorstellen. Dieser hatte Ende der 1970er Jahre konstatiert, dass im sowjetischen Modell Partei und Staat verschmolzen seien und auch in der Arbeiterbewegung der kapitalistischen Staaten eine Integration in den bürgerlichen Staat drohe. Dabei machte er deutlich, dass die Frage, wie mit dem Staat in revolutionärer Perspektive umzugehen sei, nicht erst nach der Revolution relevant wäre, sondern bereits im Jetzt und Heute widerständiger Politik. Wir rekapitulieren, was an Althussers Staatskritik auch heute noch wegweisend und welche Probleme damit benannt werden: wie kann dafür gesorgt werden, dass der sozialistische Staat nach einer antikapitalistischen Revolution sich nicht zum „Kapitalismus ohne Kapitalisten“ entwickelt? Althusser fordert, das nach der politischen und ökonomischen Revolution auch eine ideologische Massenrevolution folgen müsse, die die breite Beteiligung der Massen an der Politik ermöglicht.
Marlene Becker
David Lorenz
Keine Grenze, kein Problem?! Im vergangenen ‘Sommer der Migration’ überschlugen sich die Ereignisse sowohl an den EU Außengrenzen als auch im Innern der EU. Wir wollen gemeinsam versuchen, die Ereignisse zu rekonstruieren und wissenschaftlich, politisch sowie aktivistisch einzuordnen.
Jannis Eicker


Anil Shah

Wirtschaft – Macht – Bildung. Wie der neoliberale Alltagsverstand durch ökonomische Bildung an Schulen verankert wird WORKSHOP BEREITS VOLL. KEINE WEITERE BELEGUNG MÖGLICH.

Seit Jahren drängen Arbeitgeberverbände und wirtschaftsnahe Stiftungen immer bestimmter auf ein verpflichtendes Schulfach ‚Wirtschaft‘. Die Anstrengungen scheinen sich auszuzahlen: Nach dem aktuellen Bildungsplan der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg müssen alle Schüler*innen ab der 5. Klasse zum Schuljahr 2016/2017 das Schulfach ‚Wirtschaft‘ besuchen. Vor diesem Hintergrund nimmt sich der Workshop der Frage an, welches ökonomische Wissen hierbei im Alltagsverstand der Schüler*innen verankert werden soll. Am Beispiel von staatlich und privat konzipierten Unterrichtsmaterialien zur aktuellen Finanz- und Eurokrise erarbeiten wir gemeinsam mit den Teilnehmer*innen eine kritische Analyse der vermittelteten Konzepte und diskutieren diese im Kontext aktueller Krisenpolitik. Hierbei wollen wir vor allem diskutieren, welche politischen und ökonomischen Einstellungen und Meinungen gefördert bzw. außen vorgelassen werden.

Margit Rodrian
Geschlecht – eine politische Kategorie WORKSHOP BEREITS VOLL. KEINE WEITERE BELEGUNG MÖGLICH.

Im Workshop sollen die Grundzüge materialistischer feministischer Theorie nachgezeichnet werden. Im Mittelpunkt steht der Genderbegriff als gesellschaftliche Strukturkategorie, als Moment symbolischer Ordnung und als Identitätskategorie. Damit gehen jeweils unterschiedliche Analyseebenen einher. Diese sollen in jeder Sitzung auf der Grundlage kurzer einführender Texte oder Statements veranschaulicht werden, um dann die theoretische Perspektive zum Verständnis und einer Einschätzung aktueller gesellschaftlicher Krisensituationen und sozialer Auseinandersetzung zu nutzen.

Björn Milbradt



Gibt es einen ‚Neuen Autoritarismus‘? Zur Kritik von Autoritätsverhältnissen Mit dem internationalen Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen steht auch die Frage nach dem Autoritarismus und damit der Empfänglichkeit für rechte Ideologien wieder auf der gesellschaftlichen Tagesordnung. So schreibt die Wochenzeitung „Die Zeit“ von einem „neuen Autoritarismus“ und stellt in Bezug auf Rechtspopulisten die Frage: „Wie soll man sie nennen? Faschisten, Autoritaristen, Populisten, Reaktionäre (…)“. Der Workshop wird sich der Frage widmen, inwiefern wir es bei den derzeitigen Phänomenen nicht nur am rechten Rand, sondern verstärkt auch in der „Mitte“ der Gesellschaft mit einem „neuen Autoritarismus“ zu tun haben. Zu diesem Zweck werden wir uns erst einmal vergegenwärtigen, was eigentlich der „alte“ Autoritarismus gewesen ist – dies geschieht insbesondere an „klassischen“ Texten der Kritischen Theorie, insbesondere von Fromm, Horkheimer und Adorno. Mit ihren Autoritarismusstudien haben die Forscher des Frankfurter Instituts für Sozialforschung zu begreifen versucht, warum Menschen empfänglich für faschistische Agitation und Ideologie wurden und warum selbst Angehörige der „Arbeiterklasse“, denen man damals noch eine weitgehende Resistenz gegen den Faschismus unterstellte, ihn bereitwilligt unterstützten. In einem zweiten Teil des Workshops werden wir uns mit einem kurzen Text von Alexandre Kojève auseinandersetzen, einem französischen Theoretiker, der erst seit kurzem durch die Erstübersetzung seines Textes „La notion de l´autorité“ ins Englische überhaupt für die internationale Autoritarismusforschung zugänglich wurde. Während „Autoritarismus“ oftmals ein schillernder, aber auch sehr schwammig verwendeter Begriff ist, unternimmt Kojève eine Bestimmung, die eine klarere Vorstellung davon vermittelt, was Autorität ist und wann menschliche Verhältnisse in Autoritarismus umschlagen. Abgeschlossen wird der Workshop mit einer Diskussion zu den aktuellen und äußerst beunruhigenden Entwicklungen und Erfolgen des Rechtspopulismus.
Stefan Hohn



„Wenn Wahlen etwas ändern würden…“ (Ausgerechnet) mit Parteien aus der Demokratiekrise? Neben dem Erstärken des Rechtspopulismus gibt es eine weitere Entwicklung in den europäischen Parteiensystemen, die gemeinhin weniger Beachtung findet: Parteien, die eine wichtige Rolle als Organisatoren einer antiausteritären Gegenöffentlichkeit übernommen haben, befinden sich ebenfalls im Aufwind: Podemos z.B. schickt sich an bei den Wahlen zum spanischen Parlament zweitstärkste Kraft zu werden, bei der Wahl in Portugal konnten PS und Bloco de Esquerda deutliche Zugewinne einfahren und in den großen sozialdemokratischen Parteien findet ein regelrechter Kampf zwischen Anhängern des Dritten Weges und progressiveren Kräften statt, am deutlichsten zu erkennen ausgerechnet bei der britischen Labour Party mit ihrem neuen Vorsitzenden Jeremy Corbyn. Aber den Erfolgen progressiver Parteien steht auch das Scheitern der Syriza bei den Verhandlungen um das griechische Schuldenmanagement gegenüber. Was können Parteien heute noch bewegen? Welche Rolle können sie spielen im Kampf gegen Austeritätspolitik? Und was bedeutet das Scheitern Syrizas für die Demokratie in Europa? Im Workshop werden wir uns die Grundlagen einer kritischen Parteientheorie anschauen, und davon ausgehend ausgewählte Fallbeispiele diskutieren.
Simon Kiebel & Felix Nickel



reclaim the sender! Dein Platz für Kritik und Utopie. Herrschaftskritisches Radio selber machen

reclaim the sender! Your space for critique and utopias. Do your own radio show.

Hörfunk ist elitär, hierarchisch und sendet nur Charts und Massenunterhaltung? Freie Radios und aktivistische Sender sprechen eine andere Sprache. Dass Radio auch ein progressives, politisches Instrument und Informationsmedium sein kann zeigt sich in zahlreichen Protestbewegungen. Ob während des arabischen Frühlings, den Platzbesetzungen in Spanien oder in der Refugee Bewegung: Offene Radios ermöglichen Menschen ihr eigenes Programm zu gestalten und nicht bloß passive Empfänger zu sein. So kommen Stimmen zu Wort, die sonst kaum Gehör finden. Unser Anliegen geht in eine ähnliche Richtung. Wir wollen euch die Möglichkeit geben eure Kritik und Utopie(n), Eindrücke von der Herr*Krit oder Themen, die euch schon lange auf den Nägeln brennen, ins Radio zu bringen. Nach einem kurzen Einstieg in die Freie Radioszene in Deutschland und anderswo wollen wir praktisch ans Werk gehen. Zusammen mit dem Campus Radio Kassel und dem Freien Radio Kassel werden wir eine komplette Radiosendung mit euren Inhalten und eurer Musik produzieren. Eine Einführung in die Radiotechnik steht dabei genauso auf dem Programm, wie das Sammeln von O-Tönen und dem Erstellen von Beiträgen. Auch wenn du keine Erfahrung im Radiomachen hast, bist du bei uns richtig. Wir freuen uns auf dich und deine spannenden, kritischen, insprierenden Ideen!
Is radio elitist, hierarchical, full of chart music and uncritical entertainment? Free radio stations and radio activism are different! Numerous social movements have shown that radio can still be a progressive political instrument and source of information. For example,the Arab Spring, occupation movements in Spain and refugee movements have reclaimed control over the means of mass communication. Community and protest radio station empower people to produce their own radio programs and move away from being just passive recipients. They amplify voices which are not heard in the mainstream media. Our workshop is moving in a similar direction… We are offering you the possiblity to bring your critique and utopias, your impressions about the conference or just issues you always wanted to talk about to the radio. After a short introduction to the Free Radio movement in Germany and elsewhere we want to move to a hands-on approach. Together with Campus Radio Kassel and Freies Radio Kassel (the local community radio station) we will plan and produce an entire radio show with your content and music. A short introduction to the technical aspects of radio producing will also be included in the workshop as well as collecting interview material and producing radio reports. Don’t worry if you have no experience with radio journalism we will guide you through the different steps. We look forward to seeing you with your exciting, critical and inspiring ideas!
Aram Ziai


<Franziska Müller

Anti-Alienismus, Abwicklung des Nordens und Freie Kooperation In diesem Workshop soll die politische Theorie von Christoph Spehr, die im Umfeld des Bundeskongresses entwicklungspolitischer Aktionsgruppen sowie der Zeitschrift Alaska und inspiriert von (post-)marxistischen, feministischen und postkolonialen Ansätzen in den späten neunziger Jahren entstanden ist, vorgestellt und diskutiert werden. In ihr geht es u.a. um die demokratische Herrschaft der Aliens im Postfaschismus, um konkrete politische Maßnahmen der Abwicklung, oder um das Putzfrauendilemma – und generell um eine auf unterschiedlichen sozialen Bewegungen aufbauende Theorie von Herrschaft und Befreiung.