Kritik der Sprache, Sprache der Kritik (Stream A)

Dass Sprechen eine Form des Handelns und folglich seinerseits durch die spezifische Form der Vergesellschaftung bestimmt ist, ist mittlerweile zu einem Gemeinplatz der sogenannten Humanities geworden. Auf der Grundlage dieser sprachtheoretischen Einsicht werden daher unterschiedliche Formen der Kritik formuliert, beispielsweise etwa bei Judith Butler als Kritik an der diskursiven Gewalt der Sprache, oder in ganz anderer Form bei Jürgen Habermas, für den die sprachliche und kommunikative Gestalt der Vernunft gerade die Grundlage von Kritik darstellt. Umstritten ist also, ob die Sprache aufgrund der von ihr ausgehenden Gewalt selbst kritisiert werden muss und wenn ja, auf welcher Grundlage, oder ob die Sprache selbst die Grundlage von Kritik darstellt. In diesem Workshop soll  ein Schritt hinter diese sprachtheoretische Kontroverse der Gegenwart zurück zu den Anfängen der kritischen Theorie gemacht werden. Anhand von Texten Theodor W. Adornos, Walter Benjamins und Max Horkheimers sollen materialistische Modelle diskutiert werden, in deren Zentrum der Zusammenhang der zurichtenden Gewalt der Sprache und ihrer kritischen Potentiale steht. Am Sprechen der Subjekte lässt sich aus der Perspektive der kritischen Theorie der gesellschaftliche und historische Stand menschlicher Subjektivität ablesen, was die soziale Deformation von Sprache und Menschen einschließt.

Die Teilnehmenden sollten über Grundkenntnisse der kritischen Theorie verfügen, müssen jedoch keine Expert*innen für Sprachtheorie sein.

Dr. Philip Hogh, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Promotion mit einer Arbeit über die Sprachphilosophie Adornos, Habilitationsprojekt über Materialismus und Moral, Arbeitsschwerpunkte in Lehre und Forschung: Kritische Theorie, Geschichte der Moralphilosophie, Sprach- und Sozialphilosophie.