Kritiken der Natur: Eine Kontroverse zwischen Kritischer Theorie und Akteur-Netzwerk-Theorie (Stream A)

Temperaturen steigen, Polkappen schmelzen, Meeresspiegel erhöhen sich – doch trotz der drohenden Klimakatastrophe wird am Traum der Kontrolle der Natur festgehalten. Die Leugner*innen des Klimawandels haben sich zudem die Mittel der Kritik zu eigen gemacht, die einst dazu dienten, diesen Traum zu problematisieren: Der Klimawandel gilt ihnen als politischer Schwindel oder Erfindung der Wissenschaften. Mögliche Wurzel des Problems – so die Diagnose der Akteur-Netzwerk-Theorie und der Kritische Theorie – ist die moderne Gegenüberstellung von Kultur und Natur als getrennte Bereiche der Welt. Die Kritische Theorie analysiert, wie eine auf Beherrschung der äußeren Natur gerichtete Vernunft sich in letzter Konsequenz gegen die innere Natur der Menschen richtet. Die Akteur-Netzwerk-Theorie schlägt vor, die natürlichen, nicht-menschlichen Wesen in einem „Parlament der Dinge“ zu Wort kommen zu lassen, um den Dingen ihre kontroverse Existenz zurückzugeben. Der Workshop möchte diese beiden Ansätze der Neubestimmung des gesellschaftlichen Naturverhältnisses kontrovers diskutieren und ihre politische Reichweite ermessen. Dazu sollen zunächst durch Lektüre klassischer Texte die Perspektiven der beiden Theorieströmungen erarbeitet werden. Anschließend teilt sich der Workshop in zwei Gruppen; während eine die kritisch-theoretische Perspektive auf das Verhältnis Kultur-Natur erarbeitet, widmet sich die andere der Rekonstruktion des Ansatzes der Akteur-Netzwerk-Theorie. Im dritten Teil des Workshops werden diese Perspektiven gegeneinander diskutiert.

Liza Mattutat ist Doktorandin im DFG-Graduiertenkolleg „Kulturen der Kritik“ der Leuphana Universität Lüneburg und war zuvor wissenschaftliche Mitarbeiterin der Nachwuchsforschungsgruppe „Jenseits einer Politik des Strafens“ an der Universität Kassel. Ihre Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Rechtsphilosophie, Kritische Theorie und politische Philosophie.

Fabian Pittroff hat Politische Theorie, Literatur- und Kulturwissenschaften studiert. Seit 2014 arbeitet er am Fachgebiet Soziologische Theorie der Universität Kassel in Forschungsprojekten zu Digitalisierung und Privatheit. Seine Forschungsschwerpunkte sind Selbsttechnologien, Kontroversenkartographie und die Zukunft des Privaten.